DER CHIC DER SCHAMANEN

Lianen rauchen und Stiere opfern: Die Kunst macht die Esoterik salonfähig. Was fasziniert Sammlerinnen wie Francesca von Habsburg an den Gött ern und Geistern?

Feuilleton | Divination: Matthias Dusini | aus FALTER 31/15 vom 29.07.2015


Foto: eSeL.at

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Es riecht nach Gewürzen und Deodorant. Die Medizinmänner des brasilianischen Stammes Huni Kui kamen aus dem Amazonasgebiet nach Wien, um ihre Rituale vorzuführen. Geschmückt mit prächtigem Federschmuck und goldenen Armbanduhren, murmeln sie Beschwörungsformeln und verscheuchen mithilfe verbrannter Heilkräuter böse Geister aus dem Leib der Kuratorin.

Der Künstler Ernesto Neto, auf dessen Einladung die Indigenen Ende Juni im Kunstraum TBA21 weilten, hat sich das Gesicht mit Ornamenten bemalt und erzählt über die Begegnung mit den Huni Kui, die sein Leben veränderte. Mit steinerner Miene folgen die Angesprochenen den Übersetzungen des Dolmetschers. Die Szene erinnert an ethnografische Ausstellungen des 19. Jahrhunderts, als man in den Prater ging, um Afrikaner zu schauen.

Auch die Mäzenin Francesca von Habsburg hat die Schuhe ausgezogen und in dem mit Bastmatten ausgelegten Zelt Platz genommen. Die Millionärin gehört zu jener kleinen Gruppe von Sammlerinnen, die nicht nur Geld, sondern auch Bildung und politisches Bewusstsein besitzen. Sie finanziert den TBA21 im Augarten und fördert Künstlerinnen und Künstler, die sich mit Ökologie beschäftigen. Zuletzt war im TBA21 eine Ausstellung über metallhaltige Erden zu sehen. Mit versonnenem Blick lauscht Habsburg dem Künstler, der sich in einen Wortrausch hineinredet. Einen kosmischen Orgasmus habe er in Trance erlebt. Höhere Wesen befahlen.


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