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Ein historischer Krimi

Politik | BARBARA TÓTH | aus FALTER 31/15 vom 29.07.2015

Raoul Wallenberg, Spross einer der bekanntesten und wichtigsten schwedischen Industriellenfamilien, rettete in den Jahren 1944/45 tausenden Juden in Budapest das Leben. Er ging dabei mit von ihm hergestellten und unterzeichneten schwedischen "Schutzpässen", mit Bestechung, "Bluff und mit viel Energie" vor, wie der Herausgeber Stefan Karner im Vorwort des Sammelbandes "Auf den Spuren Wallenbergs" schreibt. Wallenbergs Leistung ist unbestritten, er gehört zu den "Gerechten der Völker".

Umstritten sind jedoch die Umstände seines Todes. Wallenberg starb laut russischen Angaben am 17. Juli 1947, nachdem er Anfang 1945 von der sowjetischen Gegenspionage "Smersch" festgenommen und als Spion in Moskau inhaftiert worden war. War er krank? Wurde er ermordet? Schweden misstraute dieser Version stets, Versionen eines späteren Todes hielten sich.

Erst im Zuge der Perestroika öffneten sich die sowjetischen Archive, unter Wladimir Putin wurde Wallenberg teilweise rehabilitiert. Wallenberg sei ein Symbol dafür, dass ein Einzelner den "Kampf mit der barbarischen NS-Maschinerie führen kann", schreibt Karner. "Vernichtet wurde Wallenberg allerdings, als ihm in Moskau die zweite barbarische, stalinistische Maschinerie entgegentrat."

Anhand russischer, ungarischer und schwedischer Quellen rekonstruiert der Sammelband Wallenbergs letzte Tage.

Stefan Karner: Auf den Spuren Wallenbergs. Studienverlag, 200 S., € 24,90


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