Enthusiasmuskolumne Diesmal: Das beste Mineralwasser-Freibad der Welt der Woche

Nie mehr Chlorröte in den Augen

Feuilleton | Nicole Scheyerer | aus FALTER 31/15 vom 29.07.2015

Lass mich dein Badewasser schlürfen", sangen einst die Comedian Harmonists. Im traumhaften "Grünen Becken" von Bad Vöslau werden solche Träume wahr. Dort kann man beim Schwimmen getrost einen Schluck nehmen, handelt es sich doch um quellfrisches Mineralwasser.

Dieses Bad hat Stil, das wird schon am schönbrunnergelben Portikus mit dem geschwungenen Schriftzug klar. Über der Kassa hängt eine gemalte Badeszene, die die Eleganz der 1920er-Jahre heraufbeschwört.

Wer die einst von Architekt Theophil Hansen geplante Badeanstalt betritt, blickt von den Kolonnaden aus zunächst auf das Sportbecken. Dahinter wacht eine antike Göttin über die sogenannte Schwedendusche. Das Wasser platscht den Badenden daraus so heftig auf die Schultern, dass es sich wie eine Massage anfühlt.

Die hohen Eichenbäume sind toll und auch die schattige kleine Insel im Schwimmbecken, zu der ein Brückerl führt. Mich stört die Betoneinfassung des Beckens kein bisschen, vielmehr bin ich immer wieder von der Holztreppe entzückt, die ins Wasser hineinführt, und genieße den Kieselsteinboden unter den Füßen.

Während unten der K.u.k.-Charme der Kabanen regiert, führen die Stiegen hinauf nach Neuengland. Die weißen Holzhäuschen in dem Föhrenpark, der oberhalb des in den Hang hineingebauten Bads liegt, erinnern mich an den Norden New Yorks. Sogar die Milchbar, wo auch viel Aperol fließt, hat mit ihren selbstgebackenen Kuchen etwas von der netten Betulichkeit amerikanischer Gastronomie.

Mit vollem Bauch empfiehlt sich ein Nickerchen in einer der Hängematten, danach der Sprung ins Waldbecken. Dort ist es kühl, tief und dunkel, sehr speziell. Wer die Dusche danach auslässt, kann noch daheim den Wald auf der Haut riechen.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige