Ohren auf Klassik

Mozart, audiophil und aus Friedrich Guldas Archiven

Feuilleton | Miriam Damev | aus FALTER 31/15 vom 29.07.2015

Wolfgang Amadeus Mozart blieb Friedrich Gulda lebenslang verbunden. Bis zu seinem Tod im Jahr 2000 hat der österreichische Pianist täglich an Interpretationen gefeilt. Die 10-CD-Box "Friedrich Gulda - Mozart" (Deutsche Grammophon) dokumentiert Guldas Mozart-Aufnahmen von der ersten Plattensession 1948 mit 17 Jahren über die Konzerte mit Claudio Abbado bis zu den zwei letzten Einspielungen 1999. Sie entstanden, ebenso wie die legendären "Mozart-Tapes", in Guldas Sommersitz am Attersee.

1982 hatte er im Hotel "Zur Post" in Weißenbach die Mozart-Sonaten aufgenommen, jedoch nie veröffentlicht. Erst Jahre später tauchten die Mitschnitte auf. Guldas Mozart-Spiel ist und bleibt eine Offenbarung: frisch und direkt, stürmisch, manchmal sogar etwas ruppig. Umso sinnlicher modelliert er die langsamen Sätze Mozarts, im intimen Zwiegespräch mit seinem "göttlichen Meister".

Kleine Meisterwerke der audiophilen Kunst sind die Schallplattenpressungen des Labels Hi-Q Records, das Klassik-LPs von den originalen EMI-Master-Tapes reproduziert. 1967 nahm der 25-jährige Daniel Barenboim Mozarts Klavierkonzerte Nr. 20 und 23 mit dem English Chamber Orchestra auf und etablierte sich damit rasch als "Mozartianer ersten Ranges", so das britische Magazin Gramophone. Jetzt gibt es die Stücke wieder auf Vinyl - erfreulich für Augen und Ohren.

"Wenn ich Klavier spiele, fühle ich mich wie 50, wenn ich unterrichte wie 40. Nur wenn ich Treppen steige, merke ich das wahre Alter", sagt der 91-jährige Pianist Menahem Pressler. Er hat sich vorgenommen, sämtliche (!) Mozart-Klaviersonaten aufzunehmen. Teil eins, bei La Dolce V erschienen, bietet eine hinreißende Interpretation der späten Sonaten KV 570 und 576 sowie der A-Dur-Sonate KV 331 mit dem "Alla turca"-Finale ("la dolce volta"). Möge es die Zeit auch weiterhin gut mit Pressler meinen!


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