Der Peter Ustinov für die Armen

Schauspieler, Sänger und Bürgerrechtler: Zum Tod des in Wien geborenen Multitalents Theodore Bikel

Feuilleton | Nachruf: Michael Omasta | aus FALTER 31/15 vom 29.07.2015

Er war eine imposante Erscheinung. Ein stämmig gewachsener Mann mit sonorer, kräftiger Stimme und gewinnendem Lächeln, der jedes Podium in seine Bühne verwandeln konnte. So geschehen auch 1993, als ich Theodore Bikel bei einem Symposion zum österreichischen Filmexil kennenlernte und vor Publikum interviewte.

Heute Morgen, erzählte Theo, sei er vom Hotel in die Mariahilfer Straße gegangen, zu jenem Haus, in dem sich einst das Café Casa piccola befunden hatte und in dem er aufgewachsen war. Er habe überlegt, ob man aus dem Ort seiner Kindheit etwas Positives schöpfen könne: "Ist da ein Gefühl des Zuhause, der Heimat, der Herkunft? Doch leider muss ich sagen, dass meine Erinnerungen mir nie erlaubten, Wien als Heimat anzusehen."

Theodore Bikel war 14, als seine Familie von den Nazis vertrieben wurde. Kurz nach dem "Anschluss" 1938 konnten die Eltern und er nach Palästina emigrieren. Dort versucht er sich zunächst als Landarbeiter in einem Kibbuz, bevor er seine wahre Berufung findet:


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