Kunst Kritik

Blüten am Rande: Gernot Bubenik im Gesso Artspace

MD
Lexikon, FALTER 31/15 vom 29.07.2015

Als der Künstler Gernot Bubenik Mitte der 1960er-Jahre das Modell einer Stadt von 1968 entwarf, wählte er dafür die Form einer bestäubten Blüte, in deren Mitte eine Frucht wächst. Die Skizze für 2000 fällt weniger optimistisch aus. Da klebte der Künstler Ausschnitte aus Comics zu einer Collage zusammen: Kanonen schießen, Granaten detonieren. Wumm, krach, peng.

Das Bild ist eine Satire auf Fortschrittsgläubigkeit und nun in einer kleinen Retrospektive des in Berlin lebenden 73-jährigen Künstlers zu sehen. Andreas Reiter Raabe, Betreiber des Kunstraums Gesso erklärt: "Mich interessiert an Bubenik die Mischung aus Formalismus und politischer Haltung". Bubenik lässt Muster geometrisch-abstrakter Kunst zu organischen Formen zerfließen, Kybernetik trifft Psychedelik.

Bubenik engagierte sich in der Umweltschutzbewegung, richtete im Berliner Künstlerhaus Bethanien eine preiswerte Siebdruckpresse ein und initiierte Anfang der 80er-Jahre die Einrichtung einer Künstlersozialversicherung. Mit seiner Karriere auf dem Kunstmarkt war es danach vorbei.

Der Künstler Andreas Reiter Raabe gründete Gesso vor zwei Jahren, weil er unzufrieden mit den lokalen Kunstinstitutionen war. In den Ausstellungen sei stets eine Handvoll arrivierter Künstler präsent, es fehle die Vermittlung junger und unbekannter Kunst, wie eben jener des Außenseiters Bubenik.

Gesso besteht aus zwei Räumen in den straßenseitig gelegenen Lauben eines geförderten Wohnbaus in Floridsdorf (neben Bubenik ist derzeit der thailändische Maler Jai Inn zu sehen). Der Architekt Werner Neuwirth errichtete das Gebäude auf dem ehemaligen Werkareal der Firma Bombardier, wenige Gehminuten von der Alten Donau entfernt. Es ist ein Beispiel für den vorbildlichen Wohnbau der Stadt Wien, dem eigentlich nur eines fehlte: ein kulturelles Angebot.

Gesso Artspace, bis 14.8.

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FALTER 25/19
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