Neue Bücher

Klassische und neue Kurzgeschichten

Feuilleton | aus FALTER 31/15 vom 29.07.2015

",Das Erstaunliche ist, dass es schmerzlos ist', sagte er. ,Daran erkennt man, wenn es losgeht.'" Ein Mann liegt auf seinem Feldbett im Sterben. So direkt hebt "Schnee auf dem Kilimandscharo" an, ein Meisterstück von Ernest Hemingway (1899-1961). Harry, der Protagonist der Kurzgeschichte, ist Schriftsteller, hat aber schon lang nichts mehr geschrieben. An der Seite einer reichen Frau ist er faul geworden, führt ein Luxusleben, das sich leer anfühlt. Während einer Safari verletzt er sich am Bein, der Wundbrand bringt ihn an den Rand des Todes - und löst Erinnerungen aus.

In dieser und anderen Storys (ganz groß auch: "Das kurze glückliche Leben des Francis Macomber") bietet Hemingway auf wenigen Seiten großes Kino. Er hielt sich beim Schreiben einfach nicht mit Nebensachen auf. So liegt es nicht nur an der tollen Neuübersetzung von Werner Schmitz, dass diese vor 80 Jahren entstandenen Texte immer noch packen. SF

Ein sexueller Hintersinn ist mit dem Titel nicht intendiert, denn im Original heißt die Geschichte "Danke, dass ich kommen durfte" schlicht "Thanks for Having Me" und bedeutet so viel wie: "Danke für die Einladung". Der Spruch steht übrigens auf dem T-Shirt des Exmannes des Kindermädchens der Tochter der Ich-Erzählerin, der für die musikalische Untermalung der Hochzeit seiner Exfrau zuständig ist. Und, ja, die Geschichten, die Lorrie Moore hier versammelt hat, sind alle so: ein bisschen kompliziert, ein bisschen skurril, ein bisschen traurig und -entgegen den Lakoniegeboten der Hemingway-Schule - auch ziemlich verschwatzt.

Von den bemüht originellen Vergleichen ist mitunter auch die Übersetzung angekränkelt, die an anderen Stellen ins Denglish platter Wortwörtlichkeit verfällt. Der Witz und der Biss, über den die Autorin durchaus verfügt, bleibt so leider allzu oft auf der Strecke. KN


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