Film Neu im Kino

"Marry Me!" - Minidrama auf Zuckerwatteberg

Lexikon | Sabina Zeithammer | aus FALTER 32/15 vom 05.08.2015

Kissy ist Anfang 30, Café-Betreiberin und Mietshausverwalterin in Berlin, Mutter einer Tochter und glücklicher Single. Diese Freiheitsliebe hat einen Grund: Ihre indische Mutter ließ sich von ihrem Mann scheiden, woraufhin sie von ihrer konservativen Familie verstoßen wurde. So ist Kissy nicht erfreut, als Großmutter Sujata in Berlin auftaucht. Diese erpresst ihre Enkelin: Sollte Kissy nicht endlich Robert, den Vater ihres Kindes, bei einer indischen Hochzeit ehelichen, wird Sujata das Haus inklusive Café verkaufen. Da Robert nach einem Burn-out nur noch zu Yogaübungen mit Laura imstande ist und die billige Wohnung in Kissys Haus nicht verlieren will, willigt er ein. Alle spielen zum Schein mit, doch Sujata führt noch anderes im Schilde.

Die deutsch-indische Komödie "Marry Me!", Kinodebüt der Berliner Regisseurin mit indischen Wurzeln, Neelesha Barthel, skizziert die Welt ihrer Protagonistin mit flotten Pinselstrichen: Die Figurendichte ist so hoch, dass man kaum bemerkt, wie flach die Nebencharaktere gezeichnet sind. Schon sind alle Mieter in die Hochzeitsscharade eingespannt, schon sitzt man beim deutschen Hindupriester, der sich lange zum Inder studiert hat, schon taucht der Mann auf, der Kissys Herz erobern könnte.

Neben den Hauptzutaten Verstellungs-und Liebeskomödie kocht "Marry Me!" auf kleiner Flamme ein ernsthafteres Familiendrama, das Emanzipation, moderne Beziehungen und vererbte Konflikte behandelt. Doch nach einer allgemeinen Mini-Konfrontation biegt Barthel sofort wieder Richtung Rummelplatz ab: Es folgt ein solcher Berg inhaltlicher Zuckerwatte, dass das vorangegangene Drama in der Erinnerung zur Größe eines Reiskorns implodiert. Schade um das kaum genutzte Potenzial der Geschichte.

Ab Fr in den Kinos


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige