Gelesen Bücher, kurz besprochen

Timothy Snyder warnt

Politik | BARBARA TÓTH | aus FALTER 32/15 vom 05.08.2015

Der amerikanische Historiker Timothy Snyder, derzeit Permanent Fellow am Institut für die Wissenschaften vom Menschen in Wien, beschäftigt sich in der aktuellen Ausgabe des Magazins Transit mit der spannenden Frage, ob die Art und Weise, wie wir uns - gerade im 70. Jahr nach Ende des Zweiten Weltkrieges - an den Holocaust erinnern und ihn beschreiben, nicht höchst einseitig ist.

Snyder unterscheidet zwei Etappen, in denen der Holocaust von Historikern aufgearbeitet wurde. In den 1970er-und 1980er- Jahren wetteiferten die Gruppen der Intentionalisten und Funktionalisten um die Deutungshoheit. Die ersten vertraten die Ansicht, dass Adolf Hitlers Wesen (und das seiner Naziführer) die Hauptschuld am Holocaust trage, die anderen betonten die Schuld von Systemen wie Wirtschaft und Militär. Beide stützten sich nahezu ausschließlich auf deutschsprachige Quellen, betrieben also, wie Synder es pointiert nennt, "Kolonialgeschichtsschreibung".

Nach 1989, mit dem Fall des Eisernen Vorhangs, wurden


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