DER KRIMI IM OHR

Zehn Jahre lang waren Podcasts ein Nischenprodukt. Dann kam "Serial". Über den Erfolg einer Non-Fiction-Krimiserie, die nun fortgesetzt wird

Medien | BERICHT: ANNA GOLDENBERG | aus FALTER 32/15 vom 05.08.2015


Illustration: Reini Hackl

Illustration: Reini Hackl

Hae Min Lee ist 17 Jahre alt, als ihre Schulkameraden an der Woodlawn High School in Baltimore sie zuletzt sehen. Dreieinhalb Wochen später, im Februar 1999, wird die gebürtige Südkoreanerin in einem Park tot aufgefunden. Sie ist stranguliert worden. Die Polizei nimmt Adnan Syed, den 17-jährigen Sohn pakistanischer Eltern, fest. Bis zum Dezember des Vorjahres ist er mit Lee liiert gewesen. Dann machte sie mit ihm Schluss. Syed, der die gleiche Schule besucht, wird verdächtigt, seine Ex-Freundin ermordet zu haben. Aus Kränkung. Er habe ihm dabei geholfen, die Leiche zu vergraben, erzählt Syeds Bekannter Jay der Polizei. Jay führt die Polizei zu Lees Auto. Syed selbst kann sich nicht mehr erinnern, was er am Tag von Lees Verschwinden gemacht hat.

Das ist der Stoff, aus dem der erfolgreiche Podcast „Serial“ gemacht ist. Im Frühjahr 2015 gewann die Non-Fiction-Krimiserie als erster Podcast einen Peabody Award, den wichtigen amerikanischen Preis für herausragende Fernseh- und Hörfunkleistungen. Die Radiojournalistin Sarah Koenig wurde heuer vom Magazin Time zu einem der 100 einflussreichsten Menschen des Jahres gekürt. Nun arbeiten die Macher an der zweiten Staffel von „Serial“. Sie soll im Herbst zum Download bereitstehen. „Serial“ könnte nicht nur die Podcast-Welt beeinflussen. Es könnte auch das Leben von Syed verändern.


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