Zeit am Schirm

TV-Kolumne

Medien | MATTHIAS DUSINI | aus FALTER 32/15 vom 05.08.2015

Die Spoilerfahnder machen einem TV-Kritiker das Leben schwer. Es ist inzwischen unmöglich, den Verlauf einer Fernsehserie nachzuerzählen, ohne via Mail oder Tweet bedroht zu werden. Auf die Information, dass Tony Soprano , steht etwa einmal Fahrradschlauch-Auslassen. Daher gibt es hier nicht den Essay, den die vierte Staffel von "Homeland" (Kabel eins) verdient hätte.

Versprochen, es wird nur eine Miniminiszene verraten - die, wo die CIA-Agentin Carrie bei sich zu Hause eine Einladung gibt und ein Vorgesetzter mit einem Blech Lasagne vorbeischaut. Ja, jetzt hätte er gern ein Bier, sagt der Gast. Als die Gastgeberin keine Anstalten macht, Hausfrau zu spielen und ein Bier aus dem Eisschrank zu holen, sagt der CIA-Chef: "Ach was, ich trinke das, was die anderen trinken." Was für eine subtile Dekonstruktion der Arbeits- und Geschlechterhierarchie. Nebensächliche Szenen wie diese erklären, warum "Homeland" besser ist als jeder "Tatort".


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