Ins Mark Der Kommentar zur steirischen Woche

Da geht noch mehr

Steiermark | Donja Noormofidi | aus FALTER 32/15 vom 05.08.2015

In der Steiermark fehlen, wie in anderen Bundesländern auch, hunderte Plätze für Flüchtlinge. Nachdem das Bundesland die Quoten monatelang erfüllt hat, ist es nun zurückgefallen. 700 Plätze seien in Vorbereitung, hieß es aus dem Büro der zuständigen Landesrätin. Doch man gibt unumwunden zu: Solange die Flüchtlingsströme anhalten, wird das Land hinterherhinken. Weil die Politik insgesamt überfordert wirkt, zeigen sich immer mehr Bürger solidarisch und helfen in ihren Gemeinden (siehe Seite 44).

Woran hakt es aber und warum dauert alles so lange? Angebotene Quartiere müssten zuerst geprüft werden, sagt das Land. Ein Insider berichtet, dass Immo-Firmen teils menschenunwürdige Quartiere anbieten, weil sie Geld wittern. Vielsagend auch Beispiele wie jenes vom Kloster Frohnleiten. Dieses hätte Platz für Flüchtlinge, aber die Leitung weigerte sich, auch nur ein knappes Dutzend von ihnen aufzunehmen, wie das Profil berichtete. Caritas-Direktor Franz Küberl meint, eine Lösung sei in diesem Fall möglich, die Franziskaner bräuchten vielleicht noch Zeit. Angesichts der Kinder, die in Traiskirchen unter freiem Himmel schlafen müssen, fragt man sich: Wie lange noch?

Jetzt macht der Bund Druck und will notfalls eigenmächtig Quartiere in Gemeinden mit mehr als 2000 Einwohnern errichten. Zudem soll eine Quote von ein bis zwei Prozent pro Gemeinde gelten, mit Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen Gemeinden. In der Steiermark haben fast 60 Prozent der Gemeinden noch immer keinen einzigen Flüchtling aufgenommen. Nun sollten sich auch diese solidarisch zeigen - vor allem im täglichen Umgang mit den neuen Ortsbewohnern.

Donja Noormofidi ist Redakteurin im Steiermark-Falter


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