Kommentar Öffentlicher Raum

Nach der Mahü: Noch mehr Begegnungszonen für Wien!

Falter & Meinung | CHRISTOPHER WURMDOBLER | aus FALTER 32/15 vom 05.08.2015

Anfang der 1970er-Jahre, die Kärntner Straße war gerade testweise Fußgängerzone geworden, titelte die Kronen Zeitung: "Wiener wollen die ganze Innenstadt", und forderte für das Gebiet innerhalb der Ringstraße ein "Reservat für Fußgänger". Sehr erfolgreich war die Krone damit bekanntlich nicht. Auch den Umbau der Mahü zur Begegnungs-und Fußgängerzone (Ende 2013: "Die große Mehrheit will, dass auf einer der wichtigsten Einkaufsstraßen wieder Autos fahren dürfen!") konnte man nicht verhindern. Eine aktuelle Kampagne des Boulevardsblattes zur städtischen Verkehrsberuhigung steht leider noch aus, obwohl am Sonntag 56 Prozent der Krone-Leser die Mahü gelungen finden - wie seltsam.

Gar nicht seltsam ist, dass die Mariahilfer Straße neu gut funktioniert. So gut, dass weitere Wiener Begegnungs-und Fußgängerzonen eine Überlegung wert wären. So gut, dass sich verkehrsgeplagte Anrainerinnen, zuletzt ganz erfolgreich in der Wehrgasse, Begegnungszonen herwünschen. Klar steckt hinter manchem Fuzo-Bezo-Traum wirtschaftliches Kalkül. So würde eine Fußgängerzone zwischen Alter Universität und Lugeck auch eine Ausweitung der Gastgartenzone bedeuten. Die Rotenturmstraße als Fuzo-Erweiterung vom Stephans-bis zum Schwedenplatz taucht regelmäßig in den Überlegungen auf und würde wohl auch diese Einkaufsstraße attraktivieren - vor allem für Touristen.

Andererseits ist der Wirtschaft die neue Mahü auch wieder auffallend egal. Als der Umbau diskutiert wurde, machten die Wiener Wirtschaftskammer und deren Vertreter tüchtig mit. Zur Eröffnung jetzt kein Mucks. Vielleicht ja eine gute Gelegenheit, die City schnell autofrei zu machen?


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