"Frösche haben wunderschöne Augen"

"Die Fledermaus" im Schlosstheater Schönbrunn: Karl Ferdinand Kratzl spielt den Frosch

Lexikon | Interview: Stefanie Panzenböck | aus FALTER 32/15 vom 05.08.2015


Foto: Richard Tanzer

Foto: Richard Tanzer

Der betrunkene Gefängniswärter Frosch ist nur eine Nebenfigur in der Johann-Strauß-Operette „Die Fledermaus“. Doch geht es um die Besetzung des Stücks, lautet die entscheidende Frage, wer spielt den Frosch? Viele Publikumslieblinge, etwa Hans Moser, haben die Figur interpretiert.

„Die Fledermaus“ ist eine Verwechslungskomödie, die auf einem Maskenball ihren Höhepunkt findet; man hintergeht und betrügt sich, und am Ende fliegt alles auf.

Sängerinnen und Sänger der Universität für Musik und darstellende Kunst proben gemeinsam mit Solistinnen und Solisten des Schönbrunn Festival Orchesters für die insgesamt 14 Vorstellungen der „Fledermaus“ in der Fassung für Kammeroper im Schlosstheater.

Der Universalkünstler und Meister des Absurden, Karl Fedinand Kratzl, schlüpft fürs Schlosstheater in die Rolle des Frosch. Kratzl wurde als Weihnachtsmann in der Serie „MA 2412“ bekannt, doch er ist auch Kabarettist, Schriftsteller und Maler. Und er liebt Frösche.

Falter: Herr Kratzl, Sie spielen den Frosch. Der tritt erst im dritten Akt auf, singt auch nicht …

Karl Ferdinand Kratzl: Ich sing schon ein bissl was, aber nicht Operette.

Was singen Sie?

Kratzl: Weil einer so laut singt, will ich, dass er aufhört. Und dann sing ich (singt): „Ruhe, hab i gsagt! Sonst sing ich mit!“ Dann hört er auf, und ich sag dann: „Aha, davor hat er Angst, der Sängerknabe.“

Warum ist der Frosch so wichtig?

Kratzl: Der Anfang in Musiktheaterstücken ist ja immer interessant, da spielt sich etwas ab. Dann muss sich das Drama zu Ende fressen. Der letzte Akt ist meistens fad, weil da sterben alle und singen und das dauert und dauert. In der Fledermaus ist der Frosch da, das ist günstig, der ist dann unterhaltsam. Ich habe eine kleine Liebe zu Operetten, sie sind herrlich blöd, so wie französische Komödien, jeder betrügt jeden. Schuld ist der Champagner und so weiter.

Und das gefällt Ihnen?

Kratzl: Es ist so pervers. „Die Fledermaus“ ist ja auch ein Alkoholiker-Stück, auch der Frosch säuft die ganze Zeit. Und da habe ich mir etwas einfallen lassen, dass nämlich „Die Fledermaus“ auch ein Antialkoholiker-Stück sein kann, in meinem Fall zumindest. Es wird deutlich, dass das Saufen ein Schicksal ist, eine Krankheit und nicht: „Haha, lachen wir doch über einen Bsoffenen.“ Aber eh auf lustig, no na.

Vom Frosch erwartet sich das Publikum immer einen Kommentar zu aktuellen gesellschaftspolitischen Problemen.

Kratzl: Das hasse ich. Ich hasse auch aktualisierte Nestroy-Couplets. Außer sie sind charmant und wirklich großartig umgeschrieben, aber sonst hat es ein bissl was von einem Schülerkabarett: Aha, das sind diese Missstände, man weist darauf hin, das Publikum erkennt das und findet das lustig. Diese Aktualitätsansprüche habe ich nur am Rand eingebaut. Aber den erhobenen Zeigefinger mag ich nicht: „Und mit der EU is es auch schwierig, gell ja.“ Was man eh schon alles weiß. Ich persönlich habe Frösche übrigens sehr gern.

Die Tiere, meinen Sie?

Kratzl: Ich bin in der Au von Klosterneuburg aufgewachsen und habe meine Einsamkeit mit den Tieren dort geteilt, habe Ringelnattern gefangen. Frösche zu fangen ist sehr schwierig.

Was mögen Sie an Fröschen?

Kratzl: Sie haben wunderschöne Augen. Kröten haben noch schönere, die haben Gold drin, und wenn sie schlucken, zwinkern sie. Das Gequake mag ich auch gern. Wir haben im Garten so ein Biotoperl mit einem Frosch, der spricht aber sehr leise. Weil die Nachbarn glauben, es geht ihnen auf die Nerven. Und ich glaube, ich freu mich darüber.

Zurück zur Fledermaus: Ist Ihnen die Operette nicht zu wenig absurd?

Kratzl: Sie ist schon verrückt. Sie hat etwas von Gartenzwergen oder Schundheftln. Es gibt immer unterschiedliche Möglichkeiten, sich mit dem Leben zu beschäftigen, mit Trauer, Tod, Verzweiflung, dem ganzen Gefühlskonglomerat. Der eine findet Trost beim Rilke und der andere in fröhlichen Inszenierungen von Operetten. Es ist das gleiche Getränk, nur in verschiedenen Aufmachungen.

Welche künstlerischen Pläne haben Sie für die Zukunft?

Kratzl: Ausatmen und einatmen. Registrieren. Und schreiben. Ich schreibe mit mehreren Kollegen verrückte Dinge, ich denke aber nie ans Publizieren, weil die Texte dann schlecht werden. Es muss dieses Spielerische, Lockere haben, wegwerfbar muss es sein. Dann entstehen schöne Blüten. Manchmal bin ich auch faul, da beißt die Muse nicht, dann muss ich warten und etwas anderes machen.

Schlosstheater Schönbrunn: bis 30.8., Beginnzeit: 19.00, Premiere 8.8.
Info: www.kammeroper-schoenbrunn.com


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