Menschen

Mahüdulijöh!

Falters Zoo | CHRISTOPHER WURMDOBLER | aus FALTER 32/15 vom 05.08.2015

Alles klärchen? Nun ist Udo Lindenberg hierzustadt nicht so bekannt wie beispielsweise in Hamburg. Aber. Wenn der Musiker und Maler in einem Wiener Museum steht, dann kucken die Leute schon mal. So geschehen vergangene Woche im Mumok, wo sich der Chefdirigent des Panikorchesters die aktuelle Pop-Art-Ausstellung anschaute und sich nach freundlicher Anfrage auch vor Andy Warhols Elvis fotografieren ließ. Schließlich ist der Mann, der derzeit auf großer Stadiontour ist, selbst Pop-Artist. In der schönen Festspielmetropole Salzburg eröffnete Lindenberg wenige Tage zuvor übrigens auch eine Ausstellung mit eigenen Werken. Schade, dass Elvis nicht dabei sein konnte. Oder Andy.

Ansonsten dreht sich grad viel um die Mariahilfer Straße. Die wurde ja von Entertainer Alfons Haider, der zuvor noch die Salzburger Festspiele beehrt hatte, höchstpersönlich eröffnet. Und natürlich von den reizenden Zero-Punkte-beim-Song-Contest-Herren Makemakes. Beim Museumsquartier fand zeitgleich und erstmals die "Free Solo Masters Mahü" statt, ein Wettkampf an einer 18 Meter hohen, von Bergsteigerass Peter Ortner entworfenen "Lienzer Dolomiten"-Kletterwand. Und tatsächlich waren ein paar richtige Kapazunder aus der internationalen Kletterszene da. Vor einigen Tausend Besuchern holte der Kasache Rustam Gelmanov den Sieg bei den Männern. Bei den Frauen gewann die Nationalteamathletin Berit Schwaiger vom ÖAV Innsbruck. So, und jetzt an die echten Wände zum Beispiel in der Alpinregion Osttirol.

Ebenfalls als Eröffnungsattraktion für die neue Mahü verstehen könnte man die Anlage für "kollektives Rütteln", die der Künstler Leopold Kessler gleich beim Café Ritter aufgebaut hat und die unter viel Bezirksvorsteherbeteiligung ebenfalls vergangene Woche offi ziell an den Start ging. Und dafür, dass man in die verkehrs-und lärmberuhigte Gegend ausgerechnet eine Rüttelmaschine stellt (noch bis Anfang 2016), ist das Teil für bis zu 20 Rüttelwillige erstaunlich leise. Wobei der Aufforderung, in die Knie zu gehen, aus gesundheitlichen Gründen unbedingt Folge zu leisten wäre.

Im temporären Lustspielhaus, das uns vor allem wegen der anarchischen Lust gefällt, mitten im poshen Goldenen Quartier aufgebaut zu sein, war Hamlet-Premiere. Die wienerische Shakespeare-Adaption von Dichtermann Franzobel läuft jetzt noch ein bisschen. Aber sie können dort auch anders, denn an den Samstagen gibt es ein Spezialprogramm im Theaterzelt. Jodlerin, Dudlerin und Rapperin Christina Zurbrügg macht diesen Samstag den Anfang. "Doodle it" heißt ihr Programm, wobei man vielleicht erklären sollte, dass das Dudeln die Wiener Version des Jodelns ist. Der Salonjodler sozusagen. Beginn: 20 Uhr.

Die Wiener Version der venezianischen Gondel ist der Fiaker. Und genauso wenig, wie sich Bewohner der Lagunenstadt mit der Gondel in die Arbeit gondeln lassen, lässt sich die Wienerin mit der Kutsche ins Büro kutschieren. Aber Touristen mögen das. Jedes Jahr zur Hitzeperiode wird in Wien darüber hitzig gestritten, wie zeitgemäß Pferde in der Großstadt sind. "Verschlaf nicht das 21. Jahrhundert" lautete dann auch das Motto einer Demonstration, die Aktivisten des Vereins gegen Tierfabriken (VGT) vergangene Woche auf dem Stephansplatz veranstalteten. Und die Fiaker? Die finden, dass die Pferde die Hitze gut vertragen.

E-Mail an den Zoo: zoo@falter.at


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