Kunst Kritik

Wer auch bei Durchblick ein Geheimnis bewahrt

Lexikon | NS | aus FALTER 32/15 vom 05.08.2015

Allerhand "Durchsichtiges" hat die Sommerausstellung bei Georg Kargl zu bieten. Die Gruppenschau "Transparency" bereichert die hauseigenen Positionen gelungen mit auswärtigen. Das Thema ist offensichtlich in, zeigt doch auch die Vienna Biennale im Mak eine Ausstellung mit dem Titel "Escaping Transparency". Die Mak-Schau schreibt sich die Kritik an der Überwachungsgesellschaft auf die Fahnen, was an der ausgestellten Kunst selbst aber oft nicht zu erkennen ist. In der Galerie Kargl ist der Mix aus aktuellen und historischen Arbeiten gelungen. Dort wird etwa die 1965 aus vier Glasplatten konzipierte Installation "Glass Words Material Described" von Joseph Kosuth gezeigt oder Fred Sandbacks kleines "Corner Piece" aus oranger Plastikschnur aus dem Jahr 1968.

"Auf Wasser schreiben" nannte Maurizio Nannucci eine poetische Performance 1973, deren reduzierte SW-Fotos nur seinen Arm und das "beschriebene" Nass zeigen. Der spätere Politkünstler Hans Haacke schuf am Beginn seiner Laufbahn Plexiglaswürfel, in denen Wasser kondensierte. Sein 1965 entstandenes Objekt "Blue White Zig Zag" passt wiederum bestens zu Liddy Scheffknechts Videoinstallation "Close up", die in einer Art großem Trichter projiziert wird. Die 1980 geborene Künstlerin hat dafür Wasseroberflächen gefilmt, die auf raffinierte Weise bewegt und statisch zugleich wirken.

Mit Organza arbeitet der Prager Künstler Jaromír Novotný. Diese Stoffe bemalt er mit Kreisen, setzt aber runde Scheiben dahinter, sodass die minimalistischen Bildobjekte einen Fake-Schatten und dadurch Tiefe erhalten. Anders, aber ebenso mit Raumillusion funktioniert die feine Kohlezeichnung des besonders am Kino interessierten Nadim Vardag. Dabei stellt er zwei weiße Rechtecke so dar, als wären sie Screens oder Projektionen.

Georg Kargl Fine Arts, bis 14.8.


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