Die Höllen eines schüchternen Engels

In seiner Autobiografie schreibt der sterbenskranke Psychiater Oliver Sacks offen über seine Homosexualität, seinen Selbstzerstörungsdrang und seine Motorradleidenschaft

Feuilleton | REZENSION: SEBASTIAN KIEFER | aus FALTER 32/15 vom 05.08.2015

Er war der Inbegriff des leidenschaftlich praktizierenden Arztes mit einem engelsgeduldigen Ohr, das man nur jedem wünschen kann, der ein neurologisches Leiden hat. Er war zeitlebens begierig auf technische oder pharmazeutische Innovationen und betrachtete doch die Medizin wie überhaupt alle Naturforschung immer auch aus einem historischen Blickwinkel. Nie verlor er dabei seine bubenhafte Fähigkeit über die Wunder und Rätsel zu staunen, die die Natur uns aufgegeben hat.

Wie entstellt, hoffnungslos, verrückt der Patient auch sein mochte, Sacks erblickte in ihm stets ein Individuum im Kampf um Würde und Glück, das uns auch lehrt, was es eigentlich bedeutet, ein Ich zu sein.

Weltberühmt wurde der Neurologe und Psychiater Oliver Sacks -der 1933 in einer jüdischen Arztfamilie in London geboren wurde und seit den 1960er Jahren in den USA lebt -, weil er wie kein Zweiter nach Sigmund Freud (und, nicht zu vergessen, seinem bewunderten Lehrer im Geiste, Alexander Lurija) seine klinischen


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