Phettbergs Predigtdienst

Alle hatten Arbeit und wurden bezahlt

Hermes Phettberg führt seit 1991 durch das Kirchenjahr

Kolumnen | aus FALTER 33/15 vom 12.08.2015

Als ich aufgewachsen bin, war meine Dorfgemeinde Unternalb noch perfekt strukturiert. Die Bäckerei Schinner, vier Einzelhandelsgeschäfte: 1. Schinner, 2. Kremser, 3. Reeger, 4. Pröglhöff, der Schmied, wo Vata das Pferd, unseren Max, immer zuerst beschlagen hat lassen und sich dann, als er den Max zum Schlachter trieb, vom Schmied den Anhänger für den Traktor herstellen ließ, dessen Traktorführerschein Vata sehr mühsam unter Zahnschmerzen sich erworben hat, ein Fassbinder, Volksschule, Kindergarten, ein Pfarrsekretär, Herr Kuba, und ein Gemeindesekretär, dessen Namen ich aber vergessen habe, und ein Austrommler, der alle Neuigkeiten austrommelte und in einem Singsang verlauten musste, dessen Namen ich leider auch nimmer weiß. Er musste jedoch im Winter auch immer den Schnee wegkehren und, ob sommers oder winters, alles immer wegräumen. Alle hatten Arbeit und wurden bezahlt.

Wir hatten in Unternalb sogar zwei Wirtshäuser, das Gasthaus Pilliater und das Gasthaus Prem, mit den dazugehörigen Kegelbahnen und Sälen für Bälle und Leichenschmäuse usw. Vor allem liebte ich die Heimat, die mir da unterkam: Gott! Benediktinerpfarrer Meinrad Alois Schmeiser aus dem Stift Göttweig unterrichtete mich auch religiös in der Volksschule und dann in der Handelsschule in Retz. Und als damals seine Pfarrersköchin, Frau Köck, an Krebs sehr jung verstorben ist, weinte der Pfarrer in seinem roten VW-Käfer, in dem ich auf der Fahrt nach Obernalb gerade mitfahren durfte, lauthals.

Finanzminister Hans Jörg Schelling sagte im Standard, dass die österreichischen Arbeitslosen zu viel verdienen, fast so viel wie Angestellte. Und er meint, wer würde sich dann noch anstellen lassen? Wo Jesus in Johannes 6,1-15 das Brotteilen zu lehren begann: "Da ist ein Knabe mit fünf Gerstenbroten und zwei Fischen." Und als die Menge sich vollgefressen hatte und Jesus zum König ausrufen wollte, zog sich Jesus zurück auf den Berg. David Steindl-Rast ist sich sicher, dass Gott kein Konzept hatte, wer sein Sohn werden sollte, sondern Jesu Wesen bringt erst Gott auf die Idee "Ja! Das ist mein Sohn!". Immer, wenn ich den Benediktinermönch Steindl-Rast höre, schlüpf ich ein bisschen in meinen Alois Schmeiser hinein.

Phettbergs Predigtdienst ist auch über www.falter.at zu abonnieren. Unter www.phettberg.at/gestion.htm ist wöchentlich neu zu lesen, wie Phettberg strömt


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