Glosse

Der Matchplan und das Lachen von Lionel Messi

Johann Skocek erinnert sich an die gute alte Spielerbesprechung

Stadtleben | aus FALTER 33/15 vom 12.08.2015

Fußball ist ein Spiel. Manche ertragen die in diesem Begriff enthaltene Ungewissheit nicht. Bayern-Coach Pep Guardiola ist so ein "Matchplaner". Während des Spiels wachelt er stets, eine Maßschuhlänge von der Outlinie entfernt, als verscheuche er eine Gelsenwolke.

Ich frug Fred. Tatar. "Matchplan" und "Gegenpressing", sagte er, verblödeten den Kickerdiskurs. Früher war Spielerbesprechung, 20 Minuten. Aufstellung, was tamma offensiv, defensiv, Standardsituation? Jetzt ist Big Data, Analyse, Krieg der Systeme.

"Matchplan" klingt nach Schlachtplan. Suggeriert, dass für jede Wendung Vorsorge getroffen ist. Natürlich Blödsinn. Die Spieler machen das Spiel, sagt Fred. Nicht der Plan. Geht gar nicht, Fußball ist zu komplex. Analysten kneißen das nicht und flüchten in Phrasen. Die archaische Weisheit des "Spüüt's eicha Spü" aber wird noch gelten, wenn Lionel Messi eines Tages nicht mehr über den Taktikkauderwelsch lacht.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige