Ins Mark Der Kommentar zur steirischen Woche

Auch der Staat muss hitzefrei geben

Steiermark | aus FALTER 33/15 vom 12.08.2015

Nachfrage bei einer Baustelle in der aufgeheizten Stadt: Kriegen die Bauarbeiter in Tagen wie diesen hitzefrei, ein paar Stunden wenigstens? Überrascht schütteln die Männer den Kopf, einer sagt: "Bei uns heißt es immer nur: Termine, Termine."

Die 100 Kollegen von der Großbaustelle Grazer Südgürtel dagegen können die ganze Woche daheim bleiben. Die gesundheitlichen Gefahren seien zu groß, heißt es von der ARGE Teerag-Asdag, Granit und Porr. "Einzigartig in Österreich", sagt Baugewerkschafter Beppo Muchitsch (SPÖ). Etliche Firmen geben aber einzelne Stunden frei, wenn das Thermometer auf 35 Grad plus klettert. So wie das die Bau-Sozialpartner vor zwei Jahren vereinbart haben. Als Empfehlung, verpflichtend ist es nicht. Andere Firmen machen es ihren Leuten immerhin leichter, indem diese etwa um fünf Uhr Früh anfangen und am frühen Nachmittag heimgehen können.

"Es gibt aber auch Betriebe, denen der Mensch wurscht ist", so Muchitsch. "Die sagen beinhart: Weiterarbeiten." Manche berichten, auf ihre Bitte nach Pause sei mit Kündigung gedroht worden. Und das, nachdem im Juli binnen zwei heißen Tagen zwei Arbeiter auf steirischen Baustellen kollabiert und verstorben sind. Sicher: Die Branche steht unter Druck. Es gibt aber Grenzen der Zumutbarkeit - und der Vernunft: Die Versicherungsanstalt AUVA berichtet von deutlich mehr Unfällen während Hitzewellen. Es wäre schön, hätte auch die Bau-Innung an die Firmen appelliert, ihre Leute zu schonen. Umgekehrt verzichtet das Land Steiermark beim Südgürtel darauf, eine Pönale wegen der Verzögerung einzuheben. Die Auftraggeber müssen eben auch ihr Teil beitragen, vor allem die öffentlichen.

Gerlinde Pölsler ist Redakteurin im Steiermark-Falter


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