Ausstellung Kritik

Protzig: Der Wiener Prachtboulevard von innen

Lexikon | NS | aus FALTER 33/15 vom 12.08.2015

Welcher Prunk, was für ein Luxus: Die Ausstellung "Klimt und die Ringstraße" hinterlässt vor allem den Eindruck von der überbordenden Dekorationskunst, die hinter den Fassaden der Ringstraßenbauten schimmerte. Üppige Wandmalereien, vergoldete Kassettendecken, ornamentaler Überfluss an schweren Möbeln und Teppichen sowie Vitrinen mit kostbaren Porzellan-und Silbersammlungen gibt diese Zeitreise in die Wiener Belle Époque preis. Der schwach vertretene Klimt steht nur aus PR-Gründen im Titel, der Malerfürst Hans Makart ist der eigentliche Held der Schau. Außerdem gilt es die Bauherren zu würdigen, die so viel in Geschmacksrepräsentation investierten, also Namen wie Epstein oder Oelzelt. Aber die Schau hat auch darin keinen roten Faden, und franst selbst in ihren Unterkapiteln aus. Immerhin liefert sie einen Überblick darüber, welche - auch weniger bekannte - Künstler ihr Talent in die historistische Ausgestaltung der neuen Bürgerpaläste legten.

Im ersten Saal werden etwa die Vorlagen für Deckengemälde gezeigt, die in der Werkstatt von Künstler Carl Rahl für Palais wie Epstein oder Todesco gefertigt wurden, darunter ein Kartonzyklus mit komplex gestalteten Götterfiguren von Eduard Bitterlich. Von Ringstraßenarchitekt Theophil Hansen faszinieren vielfarbige Entwürfe für Wandgemälde. Franz von Matsch betrieb mit den Gebrüdern Gustav und Ernst Klimt die "Künstler-Kompagnie", die Ringstraßenbauten wie das Kunsthistorische Museum oder das Burgtheater mit Fresken ausstattete. Im Palais des Mäzens Nicolaus Dumba dekorierte er das Speisezimmer mit einem feinen Fries sowie Marmorfiguren, während von Klimt die schönen Ölstudien "Musik" und "Schubert am Klavier" für den Musiksalon zu sehen sind. Am Ende rinnt die Schau mit Kaiserporträts und Wienbildern aus.

Unteres Belvedere, bis 11.10.


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