Tiere

Kleine Fluchten

Peter Iwaniewicz übersetzt "Ausbruch" ins Amtsdeutsche mit "Entweichung". Haut man hingegen von einem Freigang ab, heißt das hingegen "Nichtrückkehr"

Falters Zoo | aus FALTER 33/15 vom 12.08.2015


Wenn sie wieder zurück nach Wien kommen, sind sie total erholt, frei im Kopf und schön locker. Man merkt, dass ihnen die Erholung guttut“, war auf wien.orf.at zu lesen. Und auch der Autobusfahrer berichtete nur das Beste von der Rückreise: „Die Fahrt war sehr angenehm, es war fast nichts los auf der Straße“. Als Profi achtet er nämlich auf die Platzzuteilung. „Man muss darauf achten, dass jeder einen Nachbarn hat, den er schon kennt. Sonst wäre das unnützer Stress und den will man vermeiden“. Nein, das war kein Bericht über die Urlaubsreise einer Kindergruppe, sondern diese Sommerfrischler waren Lipizzaner. Sind halt auch nur Menschen, möchte man da meinen.

Individualtourismus bei Tieren wird hingegen nicht so gerne gesehen. Möchte ein Känguru die idyllische Mühlviertler Landschaft erkunden, dann schreibt die Kronen Zeitung von einer „unheimlichen Begegnung mit einem Beuteltier“. Interessanterweise wird in Berichten über Tiere, die einem Gehege entkommen sind, nie das Wort „fliehen“ verwendet. Sondern man textet ganz fröhlich, dass der Stier/das Känguru/die Riesenschlange „ausgebüxt“ wäre. Da diese Freigänge oft in amtswegigen Erschießungen enden, dürfte sowohl der Spaß als auch der Erholungswert solcher Ferien sehr bescheiden sein.

Auf Seemöwen wird hingegen nicht geschossen. The Guardian informierte seine Leser zu Beginn dieses Sommers in einer „Story“ darüber: „How to survive a seagull attack“. Englandreisende werden aber nicht von marodierenden Möwenmassen gejagt, sondern sollten nur darauf aufpassen, nicht in oder unmittelbar neben ein Nest mit Jungtieren zu steigen. Zuerst melden Möweneltern diese Grenzüberschreitung mit einem Warnruf, dann setzen sie Kot und Mageninhalte auf die Eindringlinge ab. Und wenn diese dann noch immer nicht kapieren, dass sie hier unerwünscht sind, dann wird gerne mal mit dem einen oder anderen Schnabelhieb auf das Schädeldach das Gehirn zum Denken angeregt. Wer sich von dem Artikel martialische Ratschläge erhofft hat, wird enttäuscht. Die Zeitung rät nur: „Keep your eyes and ears open, and learn what the gulls are trying to tell you.“

Die große Anzahl der von der p.t. Leserschaft eingesandten Fotos von Raupen lehrt mich hingegen, dass diese Tiergruppe dank geringer Fortbewegungsgeschwindigkeit leichter zu fotografieren sind als flatterhafte oder pfeilschnelle Tiere. Aber alle Fotos von Tieren in (Ihrem) Urlaub sind weiterhin willkommen.


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