Der Flüchtling im Theater: Ein Kommentar über Engagement und Voyeurismus

Feuilleton | Sara Schausberger | aus FALTER 33/15 vom 12.08.2015

Auf der Bühne steht ein Mann aus Afghanistan, der erzählt, wie er in einem Lastwagen versteckt geflüchtet ist. Ein Somalier schildert die gefährliche Bootsfahrt übers Mittelmeer. Eine Frau spricht darüber, wie sie als Achtjährige von Ungarn aus über Maisfelder nach Österreich gelangte, eine andere von Schleppern, die sie auf der Flucht vergewaltigten. Einer Argentinierin kommen die Tränen, als sie von den Foltererlebnissen während der Militärdiktatur berichtet.

Auf der Bühne des Wiener Volkstheaters standen keine Schauspieler, sondern Menschen mit echten Fluchterfahrungen; das Stück "Die Reise" hatte 2011 Premiere. Die Regisseurin Jacqueline Kornmüller und der Schauspieler Peter Wolf wählten die Form des dokumentarischen Dramas: 30 Menschen, darunter drei Kinder, bezeugen in authentischen Berichten, was sie erlebt haben.

Sie sind von symbolträchtigen Koffern umgeben, die Geschichten bewegen und berühren uns. Flüchtlingsströme bekommen plötzlich ein Gesicht, wenn der Blick


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige