Stadtrand Urbanismuskolumne

Wir bremsen auch für Tauben!

Christopher Wurmdobler wurde Zeuge einer besonderen Rettungsaktion

Stadtleben | aus FALTER 33/15 vom 12.08.2015

Es war nicht wirklich eine Vollbremsung. Aber der 43er kam direkt vor der Taube zu stehen, die es sich da auf den Schienen kurz vor der Station Alser Straße gemütlich gemacht hatte. Sie lehnte sich an die stehende Straßenbahn und blieb erst einmal. Der bremsbereite Bimfahrer schob die Garnitur ein paar Zentimeter zurück, die Taube watschelte hinterher. Der Fahrer zog seine gelbe Warnweste an, schnappte sich eine Zeitung und stieg aus. Vorsichtig schob er den Vogel Richtung Gehsteigkante, dort blieb er sitzen. Also der Vogel, nicht der Vogelfreund. Der begab sich wieder an seinen Arbeitsplatz und setzte die Fahrt fort.

Wir wissen nicht, wie gut die Stimmung ob der unfreiwilligen und mehrminütigen Fahrtunterbrechung in der voll besetzten Bim war (können es uns aber gut vorstellen). Draußen auf der Straße war man jedenfalls froh, nicht Zeuge einer unschönen Splatter-Show geworden zu sein. Im Gegenteil. Einmal mehr hatte sich das goldene Wienerherz von seiner besten Seite gezeigt: Wir bremsen auch für Tauben. Also zumindest der 43er-Chauffeur.


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