Ohren auf Neo Soul

Junge Frauen, reife Stimmen und dicke Bässe

Feuilleton | Sebastian Fasthuber | aus FALTER 33/15 vom 12.08.2015

Die Zeiten, als R &B-Sängerinnen von ihren Plattenfirmen auf Chartsfutter mit beschränkter Haltbarkeit getrimmt wurden, sind vorbei, nachdem sich herumgesprochen hatte, dass Musiker mit einer langfristigen Karriere und einem entsprechenden Backkatalog profitabler sind. Individualität ist gefragt.

Kein Problem für die englische Sängerin und Gitarristin Lianne La Havas. Die Tochter einer Jamaikanerin und eines Griechen hat als poppige Folkbardin begonnen. Auf ihrem zweiten Album "Blood"(Warner) ist das in Balladen nach wie vor präsent, dazu gesellen sich dicke Bässe und gewitzte Neo-Soul-Arrangements. Von Anbiederung keine Spur: Die 25-Jährige hat eine erstaunlich reife Stimme. Wenn man nach dem guten Mainstream-Pop sucht - bitte schön, hier ist er!

Mit kleinen Abstrichen gilt das auch für die marokkanischstämmige Frankfurter Sängerin Namika und ihr Album "Nador"(Sony). Gesanglich ist zwar noch Luft nach oben, dafür verfügt Namika über ein im deutschsprachigen Pop nicht so häufig zu findendes Sprachgefühl und viel Wortwitz. Songs mit leichter Nähe zu Cro wechseln sich ab mit orientalischen Klängen und lässigen Texten zum ewigen Thema Mann und Frau: "Ich bin nicht kompliziert, du verstehst mich nur nicht."

Schon etwas länger dabei, obwohl noch keine 30, ist die englische Soulröhre Joss Stone. Auf "Water for the Soul" (Sony) huldigt sie ihrer Liebe zum Reggae und Hip-Hop. Das plätschert nett dahin, ohne dass die Songs großen Eindruck hinterlassen würden. Sympathischen Eigenbau-R&B mit verzerrten Sounds und ebenfalls durch diverse Effektgeräte gejagtem Gesang macht die Londoner Sängerin und Multiinstrumentalistin Georgia Barnes. Manchmal klingt das so, als hätte Aphex Twin produziert. Die Songs selbst sind nicht wirklich zwingend, aber eine Talentprobe ist ihr Debüt "Georgia"(Domino) allemal.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige