"HyperAmerika" im Grazer Kunsthaus: Die Realität, so artifiziell wie geht

Lexikon | Kunstkritik: Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 33/15 vom 12.08.2015

Mit dem Fokus auf den amerikanischen Fotorealismus widmet sich "HyperAmerika", der zweite Teil des im Kunsthaus verhandelten Landschaftsschwerpunktes, einem Kapitel Kunstgeschichte, das nicht nur das Genre Landschaft, sondern auch das prinzipielle Verständnis dessen, was ein Bild ist, neu definierte. Das weitläufige Feld auf den unmittelbaren Vergleich zwischen Fotografie und Malerei einzuengen, legt schon der Name "Fotorealismus" nahe.

Wie erhellend so ein Gegenlesen trotz aller von vornherein drohenden Banalitäten ausfallen kann, hat vor einigen Jahren die Ausstellung "Hyper Real" im Wiener MUMOK gezeigt. Was das Kunsthaus nun nachlegt, ist auf Seiten der Malerei ein hauptsächlich aus den Beständen des MUMOK gespeister Auszug, auf Seiten der Fotografie eine thematisch bedingte Zuspitzung auf eine Variante Landschaftsfotografie. Im Motivischen konnten sich die Fotorealisten nämlich einig fühlen mit einer losen Gruppe Fotografen, die als Vertreter des "New Topographic Movement" bekannt sind und in der Landschaft nicht mehr das Naturwunder, sondern die unter weit kruderen Bedingungen abgewickelte und zu weit platteren Ergebnissen entwickelte Aneignung des Landschaftlichen suchte.

Die aufgerufenen Positionen von Robert Adams, Lewis Baltz oder Stephen Shore zeigen, wie amerikanische Lebenswelten in den 60er-Jahren Zugang zu den Formeln fotografischer Dokumentation fanden. Die Malereien von Klassikern wie Robert Cottingham, Richard Estes oder Ralph Goings antworten darauf mit artifiziellem Pathos in Öl auf Leinwand.

Kunsthaus, Graz, bis 30.8.


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