Tiere

Alles Giftler

Peter Iwaniewicz fragt sich, ob es wirklich Tiere gibt, die "ohne Grund" angreifen

Falters Zoo | Peter Iwaniewicz | aus FALTER 34/15 vom 19.08.2015


Ich kaufe nicht so gerne in Apotheken ein. Als ich dort im gereiften Alter von 35 Jahren selbstbewusst und mit normaler Lautstärke Präservative verlangte, rief die mitteilungsfreudige Frau Magister quer durch den mit älteren Damen gefüllten Verkaufsraum einer Kollegin zu: „Wo haben wir die gepuderten Kondome? Der Kunde mag keine mit Gleitgel.“ Da will man dann nicht weiter nach Medikamenten gegen Analfisteln, Hämorrhoidenblutungen und übermäßige Ohrenschmalzproduktion fragen – welche ich selbstverständlich nicht für mich, sondern nur für daran leidende Freunde besorgen sollte.

Lieber informiere ich mich anonym im Kundenmagazin der Apothekerkammer über Tipps gegen Nasenbluten, den Kampf gegen Krampfadern oder Giftschlangen in Österreich. Letzteres Thema stach mir natürlich in die Augen. Nach einer erfolgreichen Behandlung mit Visadron (hilft ausgezeichnet gegen das Augenstechen) erfuhr ich Interessantes: „In Österreich müssen jährlich etwa 40 Menschen nach einem Schlangenbiss stationär behandelt werden.“ Für den leider häufigen Fall, dass man nicht auf einer Krankenstation gebissen wurde, rät die Zeitschrift zu „Maßnahme eins: den verletzten Körperteil ruhig stellen und kalte Umschläge auf die Bissstelle legen. Absolut tabu: die Wunde aussaugen, abbinden oder ausschneiden.“ Eine Maßnahme zwei findet sich dann nicht mehr, aber ein nahe platziertes Inserat einer Firma für „Aspivenin, Insektengiftentferner“ legt eine Kaufentscheidung nahe. Mit einer kleinen Saugglocke und einer inversen Spritze kann man Gifte aus der Wunde absaugen, ohne diese über die eigene Schleimhaut aufzunehmen. Freunde von mir (nein, nicht jene mit den oben angeführten Beschwerden) schwören darauf, zumindest bei Wespenstichen. Ich hätte das Gerät gerne auch bei Bissen von heimischen Giftschlangen ausprobiert, aber so leicht trifft bzw. tritt man in Österreich nicht auf Kreuzottern oder Sandvipern.

Früher gab es auch noch giftige Wiesenottern, doch diese gelten seit mehr als 40 Jahren als ausgestorben. Sollten Sie, liebe Leserin und Leser, gebissen werden, bitte ich um ein Selfie, wo auch die Wunde mit den zwei typischen Bisslöchern zu sehen ist. Ungiftige Schlangen zeigen einen halbkreisförmigen Zahnabdruck. Motivieren Sie die Reptilien, denn das Apothekenmagazin weiß: „Keine Angst vor Schlangen, diese greifen nicht grundlos an.“


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