Enthusiasmuskolumne Diesmal: Die beste Badekleidung der Welt der Woche

Nackt und frei dem Wasser entgegen

Feuilleton | STEFANIE PANZENBÖCK | aus FALTER 34/15 vom 19.08.2015

Man stelle sich vor: Ein quälend heißer Sommertag neigt sich dem Ende zu. Seit acht Stunden sitzt man im Büro zwischen einem stotternden Ventilator und einem geöffneten Fenster, das außer stickiger Stadthitze nur Baustellenlärm hereinlässt. Die Kleider verschmelzen allmählich mit dem Körper, die morgendliche Dusche erscheint wie der Traum von einer anderen Galaxie. Man sehnt sich nach der Befreiung vom Dreck des urbanen Sommers.

Die lässt sich am besten mit einem kühlenden Bad ohne umständliche Badekleidung in der freien Natur erreichen. Sich nackt und frei dem Wasser hinzugeben, ist in der Stadt allerdings kaum möglich. Außer man wartet an der Alten Donau darauf, bis es dunkel wird, oder man geht auf einen FKK-Strand. Ist man allerdings nicht als Nudistin sozialisiert worden, gibt es da gar nicht so wenige Grenzen im Kopf zu überwinden. Denn dem nackten (vor allem dem fremden, nackten) Menschen wohnt einfach mehr Komik als Schönheit inne.

Das Ideal von der menschenleeren Wiese an den Ufern eines Flusses oder Sees, wo man sich sorglos aller schweißverpickter Textilien entledigt und sich aufatmend ins Wasser gleiten lässt sowie eine Ahnung von Freiheit bekommt, wenn das kühle Flussoder Seewasser den Körper umspielt - findet man leider selten.

Auf FKK-Stränden blickt man ins schmerzhafte Spiegelbild der eigenen menschlichen Lächerlichkeit, die es erst einmal zu ertragen gilt. Bis man sich dann tatsächlich so lieben gelernt hat, wie man ist, und sich eingesteht, dass auch Badehosen und Bikinis die Sache nicht besser machen, vergeht schon ein ganzer Sommer. Egal: Nackt badet es sich einfach besser. Und übersteigt der FKK-Strand die eigenen Möglichkeiten, bleibt ja immer noch die Dunkelheit.


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