Der mit der Kamera tanzt

Farbfotopionier Joel Meyerowitz über glückliche Tage auf den Straßen New Yorks und die Bilderangst der Internetgeneration

Feuilleton | BEGEGNUNG: NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 34/15 vom 19.08.2015

Der Fotograf Joel Meyerowitz ist ein großer und trotz seiner 77 Jahre athletischer Mann mit scharfem Blick und Glatze. "Aber auf der Straße bin ich unsichtbar", sagt er zufrieden grinsend, als er den Falter durch seine Retrospektive im Kunst Haus Wien führt.

Das habe er auch am Tag vor der Vernissage wieder erlebt, als ihn ein Wiener Kollege mit zum Praterstern nahm, um etwas hiesige Urbanität einzufangen. "Ich habe vollkommen unbehelligt Bilder gemacht, aber mein junger Begleiter wurde innerhalb kürzester Zeit zwei Mal von Fremden verfolgt und bedroht."

Noch nie war Straßenfotografie so beliebt, noch nie war ihre Praxis so prekär wie heute. Als Pionier Eugène Atget um 1900 Häuser und Plätze, Straßenhändler und Prostituierte des alten Paris festhielt, galt er mit seiner Plattenkamera als Kuriosität. In den 1960er-Jahren erneuerten amerikanische Fotografen das Genre, indem sie den so gehetzten wie mitreißenden Lebensstil ihrer Metropolen einfingen. Während die spontane Fotokunst


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