Der Anwalt der Außenseiter

Lennart Binder vertritt Menschen, für die Österreich am wenigsten Platz und Verständnis hat: Dschihadisten und Flüchtlinge

Politik | PORTRÄT: FRANZISKA TSCHINDERLE | aus FALTER 34/15 vom 19.08.2015

29. Juli 2013. Um acht Uhr am Morgen erhitzt sich langsam der Beton rund um das Polizeianhaltezentrum an der Rossauer Lände. Es ist einer von zwei Orten in Wien, wo Häftlinge in Schubhaft sitzen. Ein Mann im weißen Tanktop klebt ein Plakat mit der Aufschrift "Save our lives" an ein vergittertes Fenster. Eine Polizeikette beginnt die Straße abzusperren. Sirenen heulen auf. Einige Aktivisten werden von den Einsatzkräften auf den Boden gedrückt.

Lennart Binder sticht aus der Menge hervor. Mit seinem schütteren Haar und dem weißen Oberlippenbart ist er deutlich älter als die Demonstranten. Und: Er trägt als Einziger Anzug. Binder protestiert nicht. Er mustert den Aufstand. Dann klingelt er an der Tür und sagt mit Nachdruck: "Hier Binder, ich warte noch immer auf die Häftlingsbesuche." Es geht um acht pakistanische Flüchtlinge, die an einem Protestmarsch von Traiskirchen in den Votivpark teilnahmen und abgeschoben werden sollen. Binder ist ihr Anwalt. Eingelassen wird er nicht.

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