Der Urlaub der anderen

Übernachten wie die Einheimischen: Fast 6000 private Ferienunterkünfte werden in Wien schon über Airbnb angeboten. Das führt auch zu Spannungen. Wie viel Airbnb verträgt die Stadt?

Stadtleben | ROOMSERVICE: BIRGIT WITTSTOCK & CHRISTOPHER WURMDOBLER | aus FALTER 34/15 vom 19.08.2015


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Is this my apartment?“ Wer regelmäßig sonntagmorgens aus dem Bett geklingelt wird und vor der Wohnungstür stehen japanische Urlauber mit Rollköfferchen und der Frage, ob sie hier richtig seien, schmeißt schon einmal die Nerven weg. „No, this is my apartment“, rufen die Bewohnerinnen eines hübschen Gründerzeithauses mit Dachgeschoßausbau im siebten Bezirk den Japanern inzwischen zu und versuchen dabei, nicht allzu ungehalten zu wirken. Man mag halt doch nicht gleich das Wiener Grantel-Image bestätigen. Das Problem sind auch nicht die Gäste oder der Dachgeschoßausbau – es ist der Eigentümer, der seine Luxuswohnungen mit Dachterrassen tage- oder wochenweise an Touristen vermietet.

Der Langzeitmieter einer der Dachterrassenwohnungen sei sogar ausgezogen, nachdem Gäste in den Gemeinschaftspool geschissen hatten, erzählt eine Hausbewohnerin, und nein, sie finde das nicht mehr witzig: „Ich fühle mich zwar nicht verunsichert und bin auch nicht verängstigt“, sagt sie. „Aber es ist lästig, wenn mir im Stiegenhaus regelmäßig enthemmte Horden besoffener Amis entgegenkommen, die da oben in den Gäste-Apartments wohnen und sich aufführen. Unter Nachbarschaft verstehe ich was anderes.“


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige