Rostschutzmittel

Das Eisenerzer Rostfest bespielt die Leerstände der müde gewordenen Bergbaustadt. Kein Totentanz soll das sein, sondern ein sanftes Wachrütteln


ERZPROBE: LUKAS MATZINGER
Steiermark | aus FALTER 34/15 vom 19.08.2015


Ein Klavier, ein Fuchs, ein Eisenerzer: Rudi in seinem temporären „Café Grubenlicht“ (Foto: J.J. Kucek)

Ein Klavier, ein Fuchs, ein Eisenerzer: Rudi in seinem temporären „Café Grubenlicht“ (Foto: J.J. Kucek)

Eisenerz war einmal was. Vor 60 Jahren hat der Bergbau den ziemlich genau eine Autostunde nördlich von Graz gelegenen Ort zu einer Stadt beachtlicher Größe wachsen lassen. 13.000 Menschen haben hier in der Blütezeit des Erzabbaus gewohnt. Die Arbeiter zogen mit ihren Familien in eine der vielen neugebauten Siedlungen, die Infrastruktur war, wie die Landschaft, in der sie wuchs, reich und üppig. Hinter dem Präbichl ist so etwas wie der Archetyp einer Schwerindustriestadt der Nachkriegszeit entstanden.

Doch Eisenerz ist tief gefallen. Heute empfängt es seine Besucher, so sie kommen, müde, demontiert, abgemagert. Leerstand, Leerstand, abgerissen, Leerstand. Dazwischen ein ödes Bergdorf, das einmal eine große Stadt war. Eisenerz ist dramatisch unterfordert.

Heute braucht der Bergbau kaum mehr Menschen, um Erz zu fördern. Inzwischen schaut der Erzberg wie eine hämische Ikone auf den verlassenen Ort hinunter, wie ein mahnendes Denkmal im postindustriellen Dorado der steirischen Eisenstraße. 4329 Menschen lässt er hier noch leben – die älteste Stadtbevölkerung Österreichs. Und die tut sich schwer, den Stolz vergangener Tage noch zu spüren.

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