Gelesen Bücher, kurz besprochen

Das Ende des Nahen Ostens


BARBARA TÓTH
Politik | aus FALTER 34/15 vom 19.08.2015

Volker Perthes, Leiter der Stiftung Wissenschaft und Politik und Nahost-Experte, hat sein schmales Buch über die Krisenregion Syrien und seine Nachbarstaaten bewusst einen "Essay" genannt. Perthes will, ganz bescheiden, keine umfassende Analyse bieten, sondern versuchen, "gegenwärtige Entwicklungen in einer Region gedanklich neu zu erfassen". Er will sich auf die Suche nach der Longue Durée machen, wie Historiker die langen Zeitlinien soziokultureller Entwicklungen fernab der Tagespolitik nennen. Es gelingt ihm sehr erfolgreich. Wer im Syrienkrieg nach Orientierung sucht, wer die Wurzeln und Interessenlagen dieses Konflikts verstehen will, ist bei Perthes richtig.

Er beschreibt den syrischen Bürgerkrieg als eines der zentralen Ereignisse in der Auflösung der postosmanischen Ordnung. Auch Staaten wie Libyen und der Jemen sind am Zerfallen. Eine Großmacht, die die Region neu ordnet, fehlt. Wenn die Staatlichkeit schwindet, werden "tribale Bindungen und Identitäten" wieder wichtiger.

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