Mediaforschung Verführungskolumne

Sanifair-Werbefilmchen erweist sich als Griff ins Klo

Medien | JOSEF REDL | aus FALTER 34/15 vom 19.08.2015

Das Mädchen mit dem kastanienbraunen Haar sprüht förmlich vor Neugierde: "Aha, das ist also dieses Sanifair. Das schau ich mir einmal genauer an", sagt die Kleine, und zur Kamera gewandt: "Kommst du mit?" Was folgt, ist ein verstörender 2:30-Clip, bei dem das etwa neunjährige Kind mit vor Staunen geweiteten Augen im Hopserlauf durch eine WC-Anlage tänzelt, als wäre diese ein Märchenwald voller niedlicher Feen und Einhörner.

Sanifair ist eine Tochtergesellschaft der deutschen Tank-&-Rast-Gruppe. Tank &Rast betreibt Tankstellen und Raststationen auf deutschen Autobahnen. Sanifair betreibt kostenpflichtige Toilettenanlagen.

Der Werbespot von Sanifair hat im Netz für jede Menge Spott gesorgt, inklusive satirischer Neusynchronisationen. Aber auch Kritik an der kindlichen Erotik, mit der der Clip spielt, wurde laut.

Während eine Klaviermelodie plätschert, führt das Mädchen mit den roten Lippen durch freundlich gestaltete Wickelräume, vorbei an den pflichtbewusst angebrachten Defibrillatoren, schnuppert genussvoll an der Seife. "Und was jetzt passiert, ist reine Magie", jubelt die Kleine bei der Betätigung der Spülung.

Sein kindlicher Forscherdrang führt das Mädchen sogar bis in die Herrentoilette. "Ups, hier bin ich falsch", erkennt das Mädchen beim Anblick des Pissoirs. Von diesem Schrecken erholt sich die Sanifair-Elfe aber gleich. Das Eis, an dem das Kind in der Schlusseinstellung genussvoll schleckt, gibt es mit Gutschein ("Zauberzettel nicht vergessen") billiger.


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