850 Gramm Tod in einem gefiederten Mantel

In ihrem grandiosen Buch "H wie Habicht" erzählt Helen Macdonald von der Abrichtung eines Habichts. Es liest sich wie ein Thriller


FLUGBEGLEITUNG: KLAUS NÜCHTERN
Feuilleton | aus FALTER 34/15 vom 19.08.2015

Sie wollten immer schon ein Buch über Falknerei lesen? Ein Buch über Falknerei mit Habichten, um genau zu sein. Nein? Doch, wollten Sie!

In Großbritannien wurde "H is for Hawk" mit dem Costa Award als Buch des Jahres 2014 ausgezeichnet, darüber hinaus erhielt die Autorin Helen Macdonald den renommierten Samuel Johnson Prize for Non-Fiction, dessen Jury befand, es sei "ein Buch wie kein anderes". Nun weiß man, dass die Briten ein recht verschrobenes Völkchen sind und Falknerei und Fuchsjagd für fast so normal halten wie andere Straßenbahnfahren und Steuerhinterziehung. Damit allein ist der ungeheure Erfolg des Buches aber noch nicht zu erklären.

"H wie Habicht", wie der Titel der soeben erschienenen deutschen Übersetzung lautet, ist ein Sachbuch, liest sich aber wie ein Thriller, eine Autobiografie, eine Lovestory. Es erzählt nicht nur davon, wie man einen Habicht abrichtet und was das mit einem anstellt, sondern auch von der Trauer einer Tochter um ihren verstorbenen Vater; es

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