Nachgetragen Journal mehr oder weniger bedeutender urbaner Begebenheiten

Klatschen für Strache: Eine Straßenbahnfahrt in Wien vor der Wahl

Politik | STEFANIE PANZENBÖCK | aus FALTER 34/15 vom 19.08.2015

Es ist ein heißer Sommernachmittag in Österreichs Hauptstadt. Ein Mann telefoniert laut in nichtdeutscher Sprache in einer Straßenbahn der Linie 49. Eine Frau meldet sich zu Wort: "Geht das nicht leiser?" Der Mann senkt seine Stimme und steigt bei der folgenden Station aus.

Die Frau beginnt zu stänkern: "Ein Wahnsinn! Diese Ausländer und die Flüchtlinge können sich alles erlauben." Ein Fahrgast sagt: "Das stimmt." Die Frau wiederholt sich und wird dabei immer lauter. Eine junge Frau dreht sich um und weist sie darauf hin, dass sie mittlerweile die Einzige ist, die Lärm macht, und bittet sie, leiser zu sein.

"Was bist denn du für eine? So ein linkslinker Gutmensch, willst alle hereinlassen!" Die Junge bittet sie abermals, leiser zu sprechen. Die andere brüllt: "Am 11. Oktober H.-C. Strache! Hoffentlich!" Sie schimpft weiter: "Bist sicher eine Grüne. Hast ja auch ein grünes Kleid an! Und einen Neger als Freund daheim! 11. Oktober H.-C. Strache!"

Einer im hinteren Teil des Waggons beginnt zu klatschen. Dann klatschen die meisten um ihn herum. Die Frau steht auf, klatscht ihrerseits mit den Fahrgästen ab. Dann kommt sie wieder nach vor und sagt: "Na, was willst du jetzt machen?"


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