Film Neu im Kino

Blut, Tränen und noch mehr Blut: "Southpaw"

Lexikon | SABINA ZEITHAMMER | aus FALTER 34/15 vom 19.08.2015

Warum Töchterchen Leila schon ein Handy besitze, beschwert Profiboxer Billy Hope sich bei seiner Frau Maureen. Er selbst habe es ihr gekauft, lautet Maureens Antwort. Nach vielen Kämpfen, Siegen und Weltmeistertiteln ist Billy gesundheitlich zuweilen ein wenig angeknackst. Seine Karriere ermöglicht ihm und seiner Familie dennoch ein gutes Leben.

Es wäre nicht das Genre des Boxfilms, würde alsbald nicht ein Abgrund gähnen: Maureen stirbt. Ohne seine große Liebe bricht Billys Welt zusammen. Antoine Fuquas Sportlerdrama "Southpaw" legt in der Folge einen Sprung vom Zehnmeterbrett in ein leeres Becken hin: Am Ende seines desaströsen Absturzes hat Billy sein Haus und das Sorgerecht für seine Tochter verloren, seinen Ruf als Boxer ruiniert und sich fast umgebracht. Doch es wäre nicht das Genre des Boxfilms, würde alsbald nicht neue Hoffnung heraufdämmern.

Auch nach dem frühen Abgang Rachel McAdams' als Maureen, die gemeinsam mit Jake Gyllenhaal als Billy die Intensität der Liebe zweier ehemaliger Waisenkinder eindrucksvoll auf die Leinwand bringt, hat "Southpaw" seine besten Momente nicht während der brutalen Ringszenen, sondern in den zwischenmenschlichen Beziehungen. Bei aller Imposanz seiner Erscheinung -Gyllenhaal trainierte sich riesige Muskelberge an -muss Billy als Witwer wie ein verlassenes Kind erst lernen, für Leila und sich selbst zu sorgen.

Unterm Strich reicht diese gelungene Charakterentwicklung jedoch nicht aus: Insbesondere im zweiten Teil ist "Southpaw" erschreckend einfallslos und vorhersehbar, und gegen die Löcher im Plot kann auch Gyllenhaals Talent nichts mehr ausrichten. Nach dem so blutigen wie kitschigen Ende bleibt der schale Geschmack eines sehr durchschnittlichen Films zurück.

Ab Fr in den Kinos (OF im Artis und Haydn)


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