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Pressekolumne

Medien | BARBARA TÓTH | aus FALTER 34/15 vom 19.08.2015

Es gibt Geschichten, die können nur noch große, gute Redaktionen wie die Süddeutsche Zeitung aufschreiben. Zum Beispiel dieses Dossier, das sechs Reporter der SZ am Wochenende ins Ressort "Buch Zwei" gepackt haben. Sie haben sich getrennt voneinander aufgemacht, um den verschiedenen Fluchtrouten durch Europa nachzuspüren, und beschreiben den Alltag syrischer, eritreischer und albanischer Flüchtlinge. Sie schildern Details, etwa dass man am besten Trockenfrüchte isst, aber nicht zu viele, weil man sonst müde wird. Sie berichten von korrupten serbischen Beamten und desinteressierten Tiroler Polizisten, die Flüchtlinge lieber nach Deutschland durchwinken.

Um das festzuhalten, braucht es einen guten Reporterblick, einen Notizblock, vielleicht noch eine Handykamera. Mehr nicht. So entsteht wirklich guter Journalismus und ein Stück Literatur und Zeitgeschichte in einem. Sehr beruhigend, was Print in Krisenzeiten sehr schnell leisten kann.


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