Sehnsucht nach Zwielicht

Traurig in den Tropen: Graham Greenes "Reise ohne Landkarten" liegt nun auf Deutsch vor

Feuilleton | BESPRECHUNG: SIGRID LÖFFLER | aus FALTER 34/15 vom 19.08.2015

Im Jahr 1935 war Graham Greene 30 Jahre alt, Autor dreier wenig erfolgreicher Romane und von Selbstzweifeln zermürbt. Da kam ihm die Idee, nach Liberia zu reisen. Er wollte den westafrikanischen Staat - das einzige nicht von Weißen beherrschte Land Afrikas - zu Fuß durchqueren und sich durch die Regenurwälder im Innern bis zur Küste nach Monrovia vorarbeiten. Greene hatte Europa nie zuvor verlassen und war ein völliger Amateur, was Reisen in Afrika betraf.

Warum Liberia? Warum ein Fußmarsch durch eine weglose Wildnis, die noch nicht einmal kartografiert war? Die beiden einzigen existierenden Landkarten waren voller weißer Flecken, wo Kannibalen vermutet wurden, und Flüsse, die es nicht gab. Zudem hatte Liberia den denkbar schlechtesten Ruf - verseucht von Gelbfieber, Pest, Lepra, Ruhr und Malaria, zerrüttet von Stammeskriegen, ausgebeutet vom US-Konzern Firestone auf der größten Kautschukplantage der Welt, was Liberia den Spitznamen "Republik Firestone" eintrug.

Eben dieser schlechte


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