Frau July schreibt ein Buch in Moll, der Kritiker sagt: Es ist nicht wirklich toll

Feuilleton | BUCHKRITIK: KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 34/15 vom 19.08.2015

Der Output, mit dem Miranda July als Künstlerin, Performerin, Musikerin, Schriftstellerin, Schauspielerin und Regisseurin die Welt versorgt, würde locker für ein halbes Dutzend Künstlerkarrieren reichen. Dabei ist July, die mit ihrem Film "Me and You and Everyone We Know", in dem sie selbst die weibliche Hauptrolle spielte und 2005 in Cannes die Goldene Kamera gewann, erst 41 Jahre alt. Etwa derselben Generation gehört auch Cheryl Glickman an. Damit dürften sich die Ähnlichkeiten zwischen July und der Protagonistin ihres Romandebüts aber bereits erschöpft haben.

Cheryl ist eine neurotische, weltund lebensfremde Person, vollkommen außerstande, eigene Interessen zu artikulieren, geschweige denn durchzusetzen. Das Objekt ihrer Begierde, der um vieles ältere Philipp, steht ihr vor allem spirituell nahe, sexuell ist er stärker an einer 16-Jährigen aus seinem Cranio-Sacral-Kurs interessiert. Dass er bei Cheryl per SMS um Zustimmung zum noch ausständigen Vollzug bettelt (die schließlich


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