Stadtrand Urbanismuskolumne

Das Lied von Wasser und Feuer

Stadtleben | Birgit Wittstock | aus FALTER 34/15 vom 19.08.2015

Vergangene Woche in der Wiener Innenstadt: Unter sengender Sonne schleppen sich Kolonnen verschwitzter Touris durch die Straßen. Die, die es sich leisten können, kehren zwecks Abkühlung in klimatisierte Nobelboutiquen ein. Auch die, die es sich eigentlich nicht leisten können, tun einfach so, als hätten sie eine dicke Brieftasche. Das Eis zerrinnt schneller, als man es schlecken kann, und selbst der feine Sprühnebel, der so manchen Gastgarten kühlen soll, fühlt sich an wie eine heiße Dusche.

Während die Fiakerpferde auf dem Michaelerplatz versuchen, dem Hitzekoma zu entschlafen, spielen sich knappe 100 Meter weiter auf der verdörrten Steppe des Heldenplatzes tumultartige Szenen ab: Mehrere Touristengruppen kämpfen um die Vorherrschaft am Wasserspender. Man könnte meinen, es handle sich um Teilnehmer einer Wüstenexpedition: Wie Verdurstende, die nach tagelangem Marsch eine Oase entdecken, recken sie ihre Plastikflaschen dem Wasserstrahl entgegen, allesamt fassungslos, dass die Stadt das flüssige Gold so mir nichts, dir nichts verschenkt.


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