Nachrichten aus dem Inneren

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Falter & Meinung | ARMIN THURNHER | aus FALTER 34/15 vom 19.08.2015

Es gibt Momente im Leben des Falter-Redakteurs und der Falter-Redakteurin, wie ich mich -wohlerzogen, wie ich neuerdings bin -beeile hinzuzufügen, die sind ungemütlich. Wir stellen das ungern aus, aber manchmal gehen wir ein gewisses Risiko bei unserer Arbeit ein; oft wundern wir uns nicht über die Folgen unseres Tuns, manchmal verblüffen sie uns doch.

Wenig verblüffte uns, dass uns am Anfang unserer Geschichte Neonazis nicht gerade gewogen waren, um es leger auszudrücken. Ihr Lokal befand sich in unmittelbarer Nachbarschaft der ersten Falter-Redaktion, und so erschien uns ihr Besuch dort wenig erfreulich, aber nicht ganz überraschend.

Verblüfft war ich wenige Jahre später über meine erste Morddrohung. Sie kam von linker kurdischer Seite; wir hatten einen Aufruf der "falschen" Gruppierung veröffentlicht. Ziemlich schnell konnte mithilfe des "Vereins der Freunde des kurdischen Volkes" Entwarnung gegeben werden.

Mit der Intensität unserer Recherchen verdichteten sich auch die Reaktionen der Recherchierten; wir haben es vorgezogen, uns vor Publikum mit ihnen nicht wichtig zu machen, obwohl wir sie bisweilen durchaus ernst nehmen mussten. Mitunter ergab sich die eine oder andere nicht unbrenzlige Situation. Manchmal - nach dem Attentat auf Charlie Hebdo - legte auch die allgemeine Lage Sicherheitsmaßnahmen nahe.

Was Kollege Florian Klenk aber nun erlebt, nachdem er die Veröffentlichung eines Videos betreute, das einen Polizeiübergriff zeigt, schlägt doch fast alles (Kommentar auf Seite 6).


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