Seinesgleichen geschieht Der Kommentar des Herausgebers

Warum ich mich schäme. Mentalitätsinfarkt in der Asylfrage


VON ARMIN THURNHER
Falter & Meinung | aus FALTER 34/15 vom 19.08.2015

Ich schäme mich. Das Schauspiel, das der österreichische Staat und die EU, also das wir bieten, möchte man nicht mit den Augen kommender Generation sehen müssen. Sie würden fragen: Habt ihr es nicht gewusst? Habt ihr nichts gesehen? Zehn Millionen auf der Flucht? Das Mittelmeer, mare nostrum, unser Meer, ein nasses Massengrab? Uns nahe Regionen terrorisiert, zerstört, verwüstet? Unmenschliche Szenen an der Peripherie der EU? Habt ihr ihn nicht bemerkt, den Beginn eines Dreißigjährigen Kriegs?

Wir werden nichts abstreiten können. Wir haben alles gewusst.

Deswegen schämen wir uns. Gerade in Zeiten globaler Konflikte hat ein neutrales Land die Verpflichtung, für seinen Status mehr als andere Staaten mit humanitärer Hilfe zur Verfügung zu stehen. Österreich will seinen Kuchen zugleich behalten und essen, will neutral und zugleich EU-Mitglied sein. Bei der Koalition der Willigen ist man nicht dabeigewesen. Dennoch genießt man den Schutz der USA und der Nato.

Der Außenminister (ist

  1179 Wörter       6 Minuten
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