Sport Glosse

Vom Prinzen in den goldenen Schuhen

Johann Skocek über Doping-Heuchler von einst und einen Märchenprinzen von heute

Stadtleben | aus FALTER 35/15 vom 26.08.2015

Es ist abscheulich, wenn Sportler dopen. Aber man kann nicht anders, als Ben Johnsons schiere Wutkraft im olympischen 100-m-Finale von Seoul 1988 zu bewundern. In der Erinnerung trägt er ein weißes Leiberl, aber die Bilder zeigen, dass er in einem roten Dress gelaufen ist. Wie der verhasste Rivale Carl Lewis. Er war der Dressman der Leichtathletik und wie der Kanadier Johnson ein Dopingbetrüger. Der allmächtige US-Leichtathletikverband kehrte Lewis' Betrügerei unter den Teppich, Johnson schlugen sie ans Kreuz. Johnson siegte in 9,79 Sekunden, drei Tage später waren Karriere, Ruf, Leben ruiniert. Er büßt bis heute. Im WM-Finale in Peking siegte Usain Bolt, der Lange in den goldenen Schuhen, vor dem US-Dopingsünder Justin Gatlin. Bolt, der nie dopte, lief übrigens 9,79 Sekunden - ein Zeichen in einem Leben, das so gern ein Märchen sein möchte.


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