POLIZEI-PR VERSUS WIRKLICHKEIT

Nur jede 43. Vergewaltigung kommuniziert die Wiener Polizei an die Medien - dafür jeden fünften Handtaschenraub. Über welche Art von Verbrechen wir erfahren und wie die Polizei damit unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit steuert

Medien | Datenanalyse: Evelyn Kanya und Alexandra Siebenhofer | aus FALTER 35/15 vom 26.08.2015


Foto: correctiv.org

Foto: correctiv.org

Der Raum ist groß und abgedunkelt, Tageslicht würde die Sicht auf die Monitore nur stören. An großen, halbrunden Tischen mit leuchtenden Knöpfen sitzen Männer in Uniformen und sprechen konzentriert in Headsets. Wer in Wien den Polizeinotruf 133 wählt, landet hier, im Herzen der Landespolizeidirektion am Schottenring. Gleich daneben, und weniger alarmbereit möbliert, befindet sich die Pressestelle der Wiener Polizei.

Dass sie direkt neben der Notrufzentrale angesiedelt ist, ist kein Zufall: „Wenn etwas Spektakuläres passiert, dann erfahren wir es direkt von der Zentrale“, erklärt Johann Golob, Chef der Pressestelle. „Spektakulär“ sind laut Golob Morde, aber auch Banküberfälle, Juwelierraube oder Unfälle mit Todesopfern. Diese meldet die Pressestelle oft schon eine halbe Stunde nach dem Vorfall an die Medien. Die weniger spektakulären Ereignisse stehen in den täglichen Einsatzberichten der Bezirkskommandos, am nächsten Tag in der Früh liegen sie auf Golobs Tisch. Gemeinsam mit seinen Mitarbeitern wählt er eine Handvoll Fälle aus, über die sie die Medien informieren. Es ist nur ein winziger Bruchteil der durchschnittlich 570 Anzeigen, die in Wien täglich anfallen.


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