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Miau!

Falters Zoo | Birgit Wittstock, Christopher Wurmdobler | aus FALTER 35/15 vom 26.08.2015

Klimt-Filme, Schiele-Filme, eines Tages vielleicht sogar Wurm-Filme, wer weiß. Jedenfalls wird momentan in und um Wien wieder einmal das Leben (oder eine Episode daraus) des Malers Egon Schiele verfilmt. Mit Hauptdarsteller Noah Saavedra. Und wenn Cornelius Obonya nicht gerade den Salzburger Jedermann gibt, zieht er sich als Gustav Klimt ein launiges Kleidchen an. Und der Wiener Kulturstadtrat? Andreas Mailath-Pokorny brachte zu den Dreharbeiten faksimilierte Handschriften vom Schiele Egon zum Filmset in der Hietzinger Kimt-Villa. Der konnte übrigens in mehreren Handschriften schreiben. Also Schiele, nicht der Politiker.

Apropos Katzen: Diesen Samstag steigt in der Arena zum dritte Mal das "Cat Video Festival". Niedliche Katzenvideos sind bekanntlich der Hit im Internet. Ja, auch unter Alternativen und Freaks. Unter Hipstern sowieso, bei denen gehört die Katze ja ebenso zur Gesamtausstattung wie der Vollbart, oder Dutt, die Nerd-Brille und der kreative Irgendwas-mit-Medien-Job. Wenn ein paar Tausend Katzenvideofans also gemeinsam süße Filmchen anschauen und dazu im Chor seufzen, schnurren und jauchzen ob der unfassbaren felinen Niedlichkeit, ist das der pure Emotionswahnsinn. Heuer gibt es erstmals einen Sponsor (Katzenfutter) und ein Rahmenprogramm (Catwalk). Um 18 Uhr beginnt's bei freiem Eintritt.

Das war nun mehr als genug Huldigung der hohen Kunst und Kultur. Es wird Zeit für eine Abschlussladung Society-Trash, Stichwort: Neustifter Kirtag. Wie jedes Jahr im August treffen sich an den Döblinger Buschenschanken auch diverse Politiker und Z-Promis zum fröhlichen Sehen und Gesehenwerden. Was da als "Fest für die ganze Familie" beworben wird, ist im Grunde nichts anderes als die wienerische Version der Wiesn: eine provinzielle Dirndlparty, bei der es statt einer Maß Bier eben einen weißen Gspritzten und statt dem Obatzten einen Liptauer gibt. Auch heuer trat die gesamte ATV-VIP-Garde geschlossen an: diverse Generationen des Lugner-Clans, die fabelhaft grotesken Botox Boys und der Schönheitsschneider Doktor Jörg Knabel, um nur einige zu nennen. Dass die Wien-Wahl bevorsteht, war auch hier angesichts der Übermacht an heimischer Polit-Prominenz offensichtlich: Für die Sozis opferte sich Wohnbaustadtrat Michael Ludwig, von der ÖVP rückten Landesparteiobmann Manfred Juraczka und Außenminister Sebastian Kurz an und für die Heimatpartei schmissen sich Parteichef Heinz-Christian Strache und Mitarbeiter Johann Gudenus in blau-karierte Hemden und Knickerbocker. Die vom linken Partei-Konglomerat "Wien anders" verteilten Cannabissetzlinge waren hier nur sprichwörtliche Perlen vor die Säue.

Katzenfilme zeigt die Viennale eher nicht, das Menschenfilmprogramm, das Festival-Direktor Hans Hurch vergangene Woche für den Herbst präsentierte, ist aber auch nicht ohne. Was uns hier hinten allerdings immer am meisten interessiert, sind die internationalen Gäste, die das Filmfest nach Wien bringt. Heuer ist Tippi Hedren mit dabei, ihrerzeit Star in Alfred Hitchcocks "Die Vögel". Heute macht Frau Hedren übrigens keine Filme mehr, sondern engagiert sich für den Tierschutz. Ebenfalls als Stargast angekündigt: Winona Ryder. Aber ganz bestätigt dürfte der Besuch der Schauspielerin (ihr Film bei der Viennale: "Experimenter") noch nicht sein. Es gebe aber gute Chancen, dass Winona Ryder komme, meinte Hurch.

Die Wiener Band Kids n Cats, das kann man hier ruhig einmal sagen, machen mit die hübschesten Videoclips. Unvergesslich das popobetonte "Tip Top" vom letzten Jahr. Gerade ist ihr neuestes Album samt neuem Video ("Crazy beat") herausgekommen. Aber die Musiker sind auch eine ganz gute Liveband und in diesem Festivalsommer gut gebucht. Schön, dass Jeanne, Peter-Paul, Marten und Max es letzte Woche auch zu einem Gratis-Gig im Museumsquartier geschafft haben. Sie haben den Hof gerockt. Dass da der Sommer fast schon wieder vorbei war, davon hat man in dieser Nacht echt nichts gemerkt.


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