Film Neu im Kino

Wir müssen reden: "Der Schatten von Frauen"

Lexikon | Sabina Zeithammer | aus FALTER 35/15 vom 26.08.2015

Es sind keine strahlenden Helden, von denen Philippe Garrel in seinem neuen Film erzählt. Im Gegenteil: Eine gewisse Müdigkeit des Lebens bei gleichzeitiger Rastlosigkeit scheint sie zu umwehen. Besonders betrifft dies die männliche Hauptfigur Pierre. Sei es die Unachtsamkeit, mit der er der Liebe und Bewunderung seiner Frau Manon begegnet, sei es die schwierige berufliche Situation - Pierre und Manon drehen Dokumentarfilme und halten sich mit Brotjobs über Wasser -, die sein Lachen ausgedämpft hat: Die Affäre mit Elisabeth, einer Filmarchiv-Praktikantin, die in einer noch kleineren Wohnung lebt, bringt es auch nicht zurück.

"Der Schatten von Frauen" interessiert sich jedoch nicht dafür, das Innenleben seiner Protagonisten im Detail zu offenbaren, wie spätestens der Einsatz einer Erzählerstimme verdeutlicht. Sie gibt trockene Kommentare zum Verhalten der Figuren ab, wodurch Garrels Werk zwischen einer Spielfilmhandlung und einem modellhaften Liebesdreieck zu wechseln beginnt. Während beide Frauen Pierre lieben, der sich nicht zwischen ihnen entscheiden will, wird es richtig kompliziert, als Elisabeth ihm eröffnet, Manon mit einem anderen Mann gesehen zu haben.

Wiewohl eine stärkere Ausgestaltung der Figuren einen noch einprägsameren Film ergeben hätte, hat Garrel mit seiner Wahl des distanzierten Blicks, der durch die Schwarz-Weiß-Bilder noch verstärkt wird, einiges über Beziehungen und mögliche männliche und weibliche Einstellungen dazu zu erzählen. Eine klare Message spart der Film dabei aus, auch wenn Pierres Doppelmoral und sein gekränktes Ego kritisch in den Mittelpunkt gerückt werden. Zum Schluss ist die Liebe eine so zerbrechliche Angelegenheit wie eh und je - aber das Lachen hält wieder Einzug.

Ab Fr im Stadtkino im Künstlerhaus (OmU)


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige