Von Praterdome bis Pratersauna

Drei Tage wach: Von Freitag bis Sonntag durchgehend Party beim Vienna Summerbreak Festival

Lexikon | Interview: Katharina Seidler | aus FALTER 35/15 vom 26.08.2015


Foto: VSB

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Gratis Eintritt in über 50 Clubs und Bars, eine Streetparade auf dem Ring, eine Party auf dem Rathausplatz, eine DJ-Bim und vieles mehr: Das Vienna Summerbreak Festival vereint am kommenden Wochenende zum dritten Mal viele unterschiedliche Partyveranstaltungen. Der Eintritt zu den meisten Events ist gratis, es gibt aber auch ein VIP-Package für Zugereiste inklusive zwei Übernachtungen für 145 Euro. Vienna-Summerbreak-Veranstalter Michael Palliardi erklärt das Event.

Falter: Das Vienna Summerbreak Festival findet in dieser Form heuer zum dritten Mal statt. Was ist die Grundidee des Events?

Michael Palliardi: Am Anfang stand der erste Geburtstag des 24-Stunden-Wochenendbetriebs der Wiener Linien, das war 2011. Ich habe damals vorgeschlagen, nach dem Motto „Die lange Nacht der Wiener Clubszene“ die ganze Stadt miteinzubeziehen. Man musste sich nur online registrieren und einen Fahrschein ausdrucken und hatte dann Zugang zu zahlreichen Locations in Wien. Wir hatten ein ordentliches Budget und im ersten Jahr gleich 55.000 Besucher. Einige Clubs baten mich danach, das weiterzumachen, denn sie hätten zwei Drittel neues Publikum gehabt. Es gab also diese „Nightride“-Nacht, im Sommer außerdem die Streetparade, und die Wiener Fortgeh-Locations wollten wir auch beleben. Irgendwann haben wir beschlossen, alles unter einem Namen zusammenzufassen.

Das „Main Event“ findet am Samstagabend im Praterdome statt. Wieso gerade dort?

Palliardi: Einerseits fasst diese Location 4000 bis 5000 Leute. Andererseits waren sie die Einzigen, die nicht gefragt haben: „Was kriegen wir?“, sondern: „Wie können wir helfen?“ Sie gehören zu einem großen Diskothekennetzwerk in Deutschland und der Schweiz und haben das darüber gepusht und auch viel Geld
investiert.

Vermischen sich die Publikums-gruppen wirklich so stark, dass beispielsweise ein Flex-Stammgast dann auch in den Praterdome geht?

Palliardi: Das Wort „Stammgast“ gibt es ja in diesem Sinn kaum mehr. Die neue Generation ist aber sowieso mehr open-minded, die kennen die Passage genauso wie das Flex. Der Unterschied zwischen Praterdome und Pratersauna, der für jeden Wiener elementar ist, existiert für viele Menschen in den Bundesländern nicht.

Die Zielgruppe ist also eine ziemlich junge, die extra zum Partymachen nach Wien reist?

Palliardi: Wir haben eigentlich zwei Zielgruppen, einerseits die Wienerinnen und Wiener, die am Freitag zum Nightride gehen und sich am Samstag ihr Programm aussuchen. Und andererseits die Zugereisten. Bei dem Gesamtticket um 145 Euro sind ja auch zwei Übernachtungen und der Zutritt zum DJ-Brunch mit dabei. Wir haben eine Marktstudie in Auftrag gegeben und gefragt, wie die Kids in den Bundesländern Wien überhaupt wahrnehmen. Sieht man Wien als Partystadt? Wir waren selbst überrascht: Die Meinungen der Jungen waren eher neutral, und sie kannten fast keine Locations.

In den letzten Jahren kamen um die 80.000 Besucher zum Festival. Mit wie vielen Menschen rechnen Sie dieses Mal?

Palliardi: Der Wiener ist spontan und entscheidet oft danach, wie das Wetter ist. Allein bei der Parade am Samstag sprechen wir aber von etwa 40.000 Leuten.

Woher kommt das Budget für die Veranstaltung?

Palliardi: Natürlich kriegen wir Unterstützung von der Stadt Wien, aber auch von den Wiener Linien. Die wollten aber im zweiten Jahr nicht mehr die gleiche Summe in die Hand nehmen wie am Anfang, daher haben dann die Gespräche mit den Wiener Clubs begonnen, die sich wünschten, dass wir das weitermachen. In Summe haben wir aber noch immer ein Kostenproblem, immerhin planen wir an dem Event ein ganzes Jahr. Wir haben also mit ein paar Touristikern gesprochen, wie es wäre, ein neues Publikum zu erschließen. Daher kam die Idee des Vienna Summerbreaks. Für die Wiener und Wienerinnen bleibt es gratis, für alle anderen gibt es das Gesamtpaket.

Sie sind Teil der „Clubcharta 2030“, einer Initiative fast aller Wiener Clubs für mehr Unterstützung vonseiten der Stadtpolitik, um als Kultur- und Wirtschaftstreibende ernster genommen zu werden.

Palliardi: Ich finde, es ist der falsche Weg zu versuchen, einander in Wien gegenseitig die Gäste wegzunehmen. Ohne die deutschen Studierenden könnte die Hälfte der Clubs sowieso bereits zusperren. Ich glaube, dass man noch überhaupt nicht damit begonnen hat, das touristische Segment des Partygehers, der einfach einmal ein Wochenende nach Wien kommt, um zu feiern, auszureizen. Da versuchen wir eben mit dem Vienna Summerbreak, ein preislich attraktives Goodie hinzustellen, wo man einmal im Jahr die Wiener Clubszene als Gesamtes präsentiert.

Information: viennasummerbreak.at


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