UNTERWEGS MIT JOSEFINE

Während sich das Leben der einen um Karriere und Konsum dreht, wollen andere nur eines: raus aus dem System. Besuch bei einer Familie, die den Ausstieg probt

Stadtleben | Kontemplation: Birgit Wittstock | aus FALTER 35/15 vom 26.08.2015


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Kettlasbrunn im niederösterreichischen Weinviertel: 281 kleine Bauernhäuser, 540 Einwohner, eine Kirche, deren Turm den Ort überragt. Häuserzeilen säumen den Kettlasbach, alte Presshäuser die Kellergassen, das Dorf eingebettet in Weingärten, Raps- und Sonnenblumenfeldern. Es ist einer jener Spätsommertage, an denen es schon frühmorgens brütend heiß ist, die Luft über den Feldern flimmert, die Grillen ohrenbetäubend zirpen. Leere Straßen, Kettlasbrunn wirkt wie ausgestorben. Die meisten Bewohner sind zur Arbeit gependelt; nach Wien, ein paar vielleicht auch ins nahegelegene Mistelbach.

Am Ortsende, kurz bevor sich die Straße hinter dem Sportplatz im staubigen Ackerland verliert, steht das Haus der Familie Schittenhelm. „Zuagraste“, wie man auf dem Land zugezogene Wiener nennt, die sich hier ihren Traum von einem kleinen bisschen Bodenständigkeit erfüllen wollen. Bianca Schittenhelm, 32, packt gerade, die jüngste Tochter an der Brust, mit ihren beiden anderen Kindern Gewand in große Kisten und schleppt diese in den Vorraum, wo sich schon weitere Schachteln türmen. Vorbereitungen für die große Reise.


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