STEIERMARK

Blubb, blubb!

Das Museum im Palais ist derzeit ziemlich liquid und zeigt die Ausstellung "Die Mur. Eine Kulturgeschichte"

Lexikon | Tiz Schaffer | aus FALTER 35/15 vom 26.08.2015

In Graz kennt man die Mur als den Fluss, der die Stadt in zwei Hälften teilt, entlang ihres Laufes hält man sich auch gerne für Freizeitaktivitäten auf. Aber natürlich ist die Mur mehr - sie ist der Hauptfluss der Steiermark, entspringt im Salzburger Lungau und mündet nach rund 450 Kilometern an der kroatisch-ungarischen Grenze bei Legrad in die Drau. Sie ist Kulturlandschaft, definierte Gesellschaften und Städte, spielte für den Menschen-,Waren-und Informationsfluss eine wichtige Rolle, selbstverständlich auch für die Energiegewinnung. Die Architektur in ihrer Nähe prägte sie im Sinne der Funktionalität, nicht zuletzt standen und stehen die Menschen mit ihr auch auf Kriegsfuß - man denke an die Bedrohung durch Hochwasser.

Was wäre eine Ausstellung wie "Die Mur. Eine Kulturgeschichte" ohne einen Satz wie: "Die Mur hat das Denken und Handeln der an ihr lebenden Menschen über Jahrtausende geprägt." Genau. Dementsprechend setzt die Schau "die Beziehung des Menschen zum Fluss in den Mittelpunkt".

"Man hätte auch fünf Ausstellungen machen können", erzählt Bettina Habsburg-Lothringen, die als Leiterin des Museums im Palais die Ausstellung kuratiert hat. Ein Jahr lang haben sie und ihr Team daran gearbeitet; nicht nur die unterschiedlichsten Abteilungen des Universalmuseums Joanneum wurden dafür angezapft, auch auf Wissen und Materialien von lokalen Museen, Initiativen und Sammlern wurde zurückgegriffen.

"Es war nicht leicht, diesem Thema gerecht zu werden", erläutert Habsburg-Lothringen. Aber die Bemühung, die Wirkkraft dieses Flusses aus vielen Perspektiven zu beleuchten, ist spürbar: In sechs Kapitel und 120 Unterkapitel gliedert sich die Ausstellung. Da wird etwa behandelt, welches Bild wir überhaupt von der Mur haben, wie der Mensch versucht hat, sie sich anzueignen, welche sozialen Praktiken ihre Unstetigkeit erforderte oder was an historischen Relikten heute noch zu sehen ist. In der Gestaltung der Schau war man darauf bedacht, der Dynamik des Flusses, der fortwährenden Bewegung, nicht zuletzt ihren Schlangenlinien gerecht zu werden. "So gibt es etwa kaum ein gerades Podest", erklärt Habsburg-Lothringen.

Neben den grafischen Elementen und Monitoren, den vielen Fotos, den Ansichtskarten, den Presseberichten, den erläuternden Texten oder den Objekten hat der Berliner Sounddesigner Moritz Fehr zwei Installationen zum "Sound" der Mur beigesteuert. Eine der Installationen simuliert das Durchschreiten des Flusses auf seinem Grund - blubb, blubb!

Museum im Palais, Graz, Do (27.8.), 19.00 (Eröffnung, bis 17.7.2016)


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